Einen einzigen großen Nachteil hatte diese Angelegenheit: er würde leider gezwungen sein, den Verkehr in Ströbels „Hotel“ einzustellen — schade, sehr schade.

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Sogar bis in Stifters Diele war die Welle der Begeisterung gedrungen. Man vernahm heute sogar Lachen, das helle Lachen einer Dame, ein sonst ganz unerhörter Vorgang in Stifters Etablissement. Knall! Schon knallte es, ganz wie an der Front, wenn die Flieger kamen. Drei, vier Tische tranken Sekt.

Man feierte den Sieg, wollte nicht kleinlich sein heute, ein Glas auf das Wohl der herrlichen Burschen da draußen leeren. Die beiden Rittmeister, die den General zuweilen irritierten, hatten einen ganzen Kreis von Freunden geladen, und der raunende Oberkellner schleppte Flaschen unter beiden Armen. Ein Toast — und dreimal, gedämpft, aber begeistert, hurra! Die Kelche klirrten.

Mit Neid beobachtete Otto die Ausgelassenheit nebenan. Wie gerne wäre er bei ihnen unten gewesen. Ja, man mußte es ihnen lassen, sie legten ein ordentliches Tempo vor! Papas Gesellschaft dagegen — nun Gott sei Dank war es nur dieser eine Abend. Er hatte es Papa heute nicht abschlagen können. Schließlich war er ja um zehn Uhr, elf Uhr spätestens frei. Von elf Uhr an wurde er erwartet.

Schweigend nahm der General die ersten Gänge ein. Seine Augen waren geweitet, und der Blick ging in die Ferne. Er dachte an den 4., 5. und 6. August — damals, Quatre vents!

Er hörte deutlich das Feuer, das furchtbare Feuer, das damals rings um ihn tobte — so, genau so, würde es heute da draußen toben, rollen wie die Brandung eines höllischen Meeres — von Horizont zu Horizont. Krachen, Stampfen, der Himmel stürzt ein, und die Erde klafft in Spalten. Ja, sie sollen es jetzt nur schmecken, das Gelbkreuz und Blaukreuz — diese Unbelehrbaren! Ein Lächeln ohne Erbarmen, voll grausamen Triumphs, umspielte die blauen Lippen des Generals.

Deutlich sah der General das rauchende Schlachtfeld vor sich. Aber, was er nicht sah, das war der kleine, krummbeinige Schneider Hanuschke — der seinerzeit, als Ordonnanz, versehentlich in sein Arbeitszimmer rannte, und den Unwillen Seiner Exzellenz erregte — dieser Schneider Hanuschke, mit dem Querschläger zwischen den Mausaugen, der in dieser Minute, da der General einen Spargel durch die Zähne zog, um sein Leben lief. Nein, ihn sah er nicht.

Wie ein Blitz fegte der kleine, krummbeinige Hanuschke über einen zerwühlten Acker und verschwand in derselben Sekunde in einer Erdspalte, da der General die ausgesogene Spargelstange auf den Teller legte.

Man hatte ihn zu den Strippenflickern kommandiert, das heißt sie mußten die zerstörten Telephonleitungen ausbessern. Eine böse Sache.