Im gleichen Augenblick knallte es auch schon, und Hanuschke zog den Kopf ein. Dann wischte er sich mit dem Ärmel den Schweiß vom Gesicht — ganz wie damals, als er das Arbeitszimmer des Generals hinter sich hatte, mit der gleichen Bewegung — und schon flitzte er wieder wie das Wetter selbst über den Acker, und schon stürzte er sich wieder in ein Loch hinein, diesmal in einen Granattrichter. Dieser Teufel, dieser verfluchte Teufel, keuchte er und horchte — (der General goß eben Fachinger in sein Glas) — niemals in seinem Leben hatte der Schneider etwas Derartiges erlebt. Er, er ganz persönlich, wurde von einem englischen Flieger verfolgt, der ihn für einen Meldeläufer oder Gott weiß was hielt. Dieser Teufel ging bis auf zehn Meter herunter, erspähte ihn immer wieder und warf kleine Bomben herab. Er sah deutlich sein Gesicht, die kleine Bombe in der Hand, selbst den gestutzten kleinen Schnurrbart über den Zähnen — dieses Granatloch bot keine genügende Deckung, und wieder schoß der kleine Schneider dahin — jenem Wäldchen zu: erreichte er es, so war er gerettet. Der Schweiß rann ihm in Strömen übers Gesicht. Solch ein Teufel, ein verfluchter! —

Der General zog eine neue Spargelstange durch die Zähne.

„Und du?“ fragte er, ohne Otto anzusehen, nach seiner Gewohnheit.

„Wie beliebt, Papa?“

„Und du?“

„Was soll ich?“

Der General, in Gedanken, schwieg eine Weile, dann begann er wieder: „Ich meine — für dich muß es doch unerträglich sein, nicht an der Front zu sein — gerade jetzt?“

Otto errötete.

„Jetzt, wo für ein Jahrhundert oder länger der Lauf der Geschichte bestimmt wird. In vier Wochen vielleicht, sagt der Arzt?“

„Vier Wochen ist der früheste Termin.“