„Ja, sie. Immer stiller und merkwürdiger. Ich selbst, ich ging ja aus, ging in eine Kneipe, trank — Sie verstehen, es ist nicht nötig zu sagen, weshalb ich trank.“

„Unser Junge war ja unser ganzer Lebensinhalt geworden. Ich war in Pension gegangen, und wir waren seiner Studien halber nach Berlin gezogen. Da kam der Krieg, er wurde Soldat, Jäger, und schließlich kam er ins Feld. Eines Tages aber, da kam die furchtbare Nachricht — eines Tages . . .“

„Er war gefallen.“

„Gefallen?“

„Ja, natürlich, Sie sagten —“

Der kleine alte Mann schüttelte den Kopf.

„Nicht gefallen, Herr,“ flüsterte er, „in den Tod gehetzt — ich habe Unterlagen, Briefe — geschlachtet, nutzlos —“

„Sie sollten nicht derartig schwere Anschuldigungen erheben gegen gewisse Persönlichkeiten“, warf Kunze nicht ohne Strenge ein.

„Nun gut, gefallen, ganz wie Sie wollen. Es wurde immer stiller hier, immer stiller — meine Frau verließ nicht mehr die Wohnung, keinen Schritt tat sie über die Schwelle. Sie saß immer hier. Aber plötzlich saß sie nicht mehr, sondern sie stand — hören Sie — zuerst mitten im Zimmer, dann nur noch in den Ecken.“

„Sie war wohl schwermütig geworden?“