„Ja, schwermütig. Sie ertrug es nicht, nein, es war zuviel für sie! Zuviel, zuviel! Und nun, eines Abends komme ich spät nach Hause. Es war Mondschein. Ich sah also ziemlich gut. Und da steht sie also hier — unter der Türe. Hier, sehen Sie.“
„Ja!“
„Aber sehen Sie — sie stand so hoch! Nun, denke ich — da ist wieder mal Hansi auf den Schrank geflogen, wie häufig, und sie will ihn einfangen — aber plötzlich, da sehe ich . . . Da kommt es mir eigentümlich vor, ei . . ., ei . . . sie antwortet nicht. Aber sie antwortete häufig nicht mehr in dieser Zeit. Nun aber, da denke ich — da sehe ich — worauf stand sie eigentlich? Sie stand auf nichts! Ihre Füße waren abwärts gerichtet — und darunter war nichts — nur Mondlicht — nichts sonst — ich sah es ganz klar und deutlich . . . sie schwebte in der Luft . . . und da begriff ich es . . . dieser Augenblick — —“
Enttäuschung in den Zügen des schmächtigen jungen Mannes! Er hatte etwas ganz Besonderes erwartet — und nun eine alltägliche Geschichte, wie sie sich während des Krieges hundertmal in Berlin ereignete.
Der kleine alte Mann röchelte. Er sprang auf und schleuderte die kurzen dünnen Arme wild durch die Luft. Er ballte die kleinen gelben Fäuste und schüttelte sie in Raserei. Sein Gesicht verzerrte sich, die gelben Zahnstumpen blinkten, Schaum trat vor seine Lippen.
„Und alles daher —“ schrie er außer sich, und sein Gesicht wurde plötzlich blau, so daß Kunze erschrocken zurückwich — „alles daher, daher! Deshalb hasse ich ihn — hasse ihn, den Hoffärtigen, hasse ihn . . . mit diesen Händen werde ich — so wahr mir Gott helfe . . . hasse ihn —“
„Hasse — hasse . . .“ Seine Hände zuckten.
Und plötzlich stürzte der kleine alte Mann zu Boden. Er war ohnmächtig geworden.
Das Grammophon neben der kleinen Palme in der Ecke grölte:
Die Vöglein im Walde,