Heute — hoho — heute hatte er es gewagt! Den Hut gezogen, ganz dicht vor ihm, ganz dicht! Vor dem Hause in der Lessingallee hatte er gewartet, bis die graue Limousine kam. Und dann — den Hut gezogen, wie gesagt. Mitten in den Lichtschein der Automobillampen war er getreten, in den blendenden Lichtkegel der Lampen!

Und der General? Er war erschrocken — erschrocken, sollte man es glauben, vor ihm, einem alten ohnmächtigen Mann, ohne Rang und Würde, einem Trinker, mit dem es bergab ging, täglich mehr und mehr bergab, erschrak er — der Gewaltige! Fuhr zurück, und seine Augen waren voller Schrecken . . .

Ja, keine Nachsicht mehr, nicht die geringste! Tag und Nacht wollte er vor ihm auftauchen, keinen Schritt sollte er künftig tun — er war da!

Und wie er erschrak! Wie er zurückfuhr! Deutlich sah er es vor sich. Das breite starre Gesicht wankte, nicht Schrecken, nein Entsetzen spiegelte sich in den Zügen. Der General taumelte einen Schritt zurück — zwei — er lief! Und er, den Hut in der Hand, lief hinter ihm her. Wie schnell er doch lief! In seinem Mantel mit den roten Aufschlägen. In seinen Hosen mit den roten Streifen! Wie das Entsetzen ihn vorwärts peitschte — und doch war es spielend leicht, ihm zu folgen. Rascher, immer rascher rannten sie beide in die rotfunkelnde Finsternis hinein. Und der Nebel donnerte! Ballen von Qualm warf die schwarze Stadt aus, wie ein Vulkan, Ballen um Ballen, himmelhoch donnerten die Wolken von Qualm.

3

Der Nebel brodelte über Berlin. Über dem Nebel funkelten die ewigen Sterne, aber die Stadt, versunken im gelben Meer von Lehm, sah sie nicht.

Schrill heulten die Züge, in düstere Glutwolken gehüllt, tasteten sie sich langsam vorwärts. Die Bogenlampen fieberten in den dunstigen Bahnhöfen, Schattenriesen stießen mit den Köpfen gegen die Glasdächer der Hallen. Die Krankenwagen krochen in das gelbe Nebelmeer hinaus, und zuweilen stutzten die Chauffeure: klaffende Abgründe schienen plötzlich die Straßen zu spalten. Schlaff und schmutzig hingen Flaggen aus den Nebelwolken herab.

In nebligen Höfen wurden die Wagen entladen, und voller Erlösung starrten die Fieberaugen der Verwundeten in das Licht der Korridore, durch deren Karboldunst die Bahren schwankten.

Und die Züge heulten und winselten, wie seit mehr als tausend Nächten. Aber in dieser Zeit der großen Offensive kamen sie ohne jede Unterbrechung. Die Ärzte wechselten Blicke. — —

Zur gleichen Stunde saß der General, den der kleine Herr Herbst im Fieberwahn verfolgte, mit zufriedener Miene in dem bequemen Arbeitssessel vor seinem Schreibtisch und beugte sich über eine große Generalstabskarte.