Vorgestern nicht, gestern nicht — aber jetzt, jetzt kam sie die Fabriciusstraße herauf.

Sie hielt zuweilen inne, als zögere sie, blickte sich um, aber sie kam doch immer näher.

Herr Herbst kletterte die Treppe empor, bis zur Türe. Er wohnte nicht mehr hier, hatte das Quartier in diesem Unglückshause geräumt. Er wohnte jetzt in einer kleinen Kammer im „Löwen von Antwerpen“. In einem ganz winzigen Raum, aber doch zog er ihn diesem Zimmer vor.

Schon hörte er ihren Schritt, das leichte Keuchen ihres Atems. Sie ging ganz anders als alle Frauen, die diese Treppe auf und ab stiegen. Die Sohlen ihrer Schuhe waren dünner, sie vermied jeden Lärm und hielt sich nie am Geländer fest.

Herr Herbst trat vor, beugte sich über das Geländer. Sie sah ihn an, hielt inne, leise keuchte ihr Atem.

Herr Herbst lüftete den steifen Hut: „Sie suchen gewiß Herrn Ackermann?“ fragte er.

„Ja“, hauchte sie.

„Er wurde verhaftet —“

„Vorgestern verhaftet —“

Nun berührte sie plötzlich mit den Fingerspitzen das schmutzige Stiegengeländer, und das Blut wich aus ihren Wangen. Ganz langsam. Zuerst wurde sie fahl, dann weiß wie Mehl. Dann verloren ihre Augen die Farbe, auch sie wurden weiß.