Der Krüppel bog in die Linden ein und näherte sich der grauen Limousine, die vor Stifters Diele stand. Er strich neugierig um den Wagen herum. Schwerdtfeger saß im Schatten des Autos auf dem Bürgersteig und nahm wie gewöhnlich sein Mittagessen ein, ein Stück Brot mit etwas Käse, weiter reichte es nicht. Wie alle Soldaten erhielt er zwei Mark dreiunddreißig Pfennige am Tage und zwei Mark Verpflegungsgelder dazu.
Augenblicklich sprang Schwerdtfeger auf und nahm Haltung an. Der Krüppel war Offizier, Schwerdtfeger hatte ihn früher schon einmal gesehen. Ja, wie ein Gymnasiast, mit schneeweißen Haaren, großen, fiebernden Augen und kreidigem Gesicht, das unaufhörlich zuckte.
Der Krüppel schwang sich in Stifters Diele.
Hier, in einer halbdüstern Nische des vornehmen Restaurants, sah er ein erdiges Gesicht mit schwarzen Augenhöhlen und einem Blick, der brannte, ohne etwas zu sehen.
Auch Stifters Diele war fast leer.
„Ist es erlaubt?“ fragte der Krüppel.
Das erdige Gesicht mit den schwarzen Augenhöhlen kam in Erschütterung, aufs tiefste erschrocken, die brennenden Augen, die nichts sahen, glitten prüfend über das Gesicht, das ohne Pause zuckte, über das schneeweiße Haar dieses Gymnasiastenkopfes.
„Ich hatte die Ehre —“ Das zuckende Gesicht versuchte zu lächeln.
Da sah der General, daß es Hauptmann Wunderlich war.
„Ist es möglich? Es ist so dunkel hier. Bitte Platz zu nehmen — bitte mir die Freude zu machen, mein Gast zu sein, Hauptmann Wunderlich.“