Dönhoff lächelte verlegen. Er schämte sich.

Die Alexa küßte ihn, und er fühlte, wie ihre Tränen seine Wangen näßten. „Noch etwas — ladies and gentlemen — er wünscht nicht, daß man auf ihn die geringste Rücksicht nimmt. Also weiter!“

Der Phonograph ertönte wieder — die Füße, die Schuhe schlürften.

Die Alexa führte ihn in eine Ecke zu einer Ottomane. Parfüm, allerlei Essenzen, der Geruch eines scharfen Punsches, Musik und dicht an ihm vorbei flatterten die Röcke.

„Ganz ungestört sollst du hier sein, du lieber Junge. Du bist zu Hause und kannst es dir ruhig bequem machen. Siehst du denn gar nichts mehr? Nein! Oh, diese elenden Schurken! Hören Sie, Doktor, geben Sie ein Glas Sekt für Baron Dönhoff — vielleicht haben Sie Geld gewonnen, als Sie seinerzeit auf ihn setzten? Er gewann fast immer, ach, das waren Zeiten! Im ganzen sind fünfzehn Menschen hier, Rinaldo, sechs, sieben Damen. Ich werde sie dir vorführen. Lola!“

„Hier also, das ist die kleine Lola. Sie ist eine Ungarin eigentlich. Sie ist ganz schwarz, und ihre Brauen wachsen zusammen. Aber sie ist eine ganz kühle Person, ganz und gar nicht sinnlich — oder, Lola? Ja, so komm doch dicht an ihn heran. Verstehst du mich, er sieht ja nichts, er ist blind. Sei lieb zu ihm, sei nett — er ist nett zu mir gewesen, vor zehn Jahren, als ich noch Verkäuferin war und am Sonnabend in Halensee tanzte — ja, fühle nur, die Brauen wachsen tatsächlich zusammen — fühle nur — küsse ihn, Lola, du mußt nett zu ihm sein.“

Und Lola küßte Dönhoff und streichelte ihn.

„Das hier ist Fiffi — wie nett, sie kniet vor dir. Küsse sie, so! Sie ist die Freundin dieses kleinen Schwarzen dort, der mit dem Monokel, die beste Tangotänzerin in Berlin. Sie ist blond, aber ihre Haare sind gefärbt — Fiffi — er sieht doch nicht, er ist blind, ich muß ihm also alles beschreiben. Sie tanzt wunderbar und hat zwei erste Preise gewonnen.“

„Und hier, das ist Thea — sie ist etwas üppig — aber Thea, er sieht doch nicht! — sie hat ganz große blaue Augen und filmt. Du würdest dich in sie verliebt haben, weil sie so drollig ist. Küsse ihn, Thea, er ist ein so lieber Junge!“

„Und das hier — Rolli — come along! — Rolli — ein kleiner Teufel! Siehst du, sie bringt dir gleich Punsch mit! Sie ist erst achtzehn Jahre alt, aber schon völlig verdorben. Pfui, Rolli — beherrsche dich doch! Aber sie ist sehr süß. Sie hat, nun dir darf ich es ja sagen, eine kleine Schwäche für Frauen und kennt die Damen der höchsten Gesellschaft. Ihr Freund ist ein Dichter. Siehst du, sie trinkt an derselben Stelle des Glases, wo du getrunken hast. Sie will dir zeigen, wie lieb sie dich hat. Ja, das also ist der berühmte Rinaldo — nun entstellt ihn ja diese häßliche Brille etwas, aber man gewöhnt sich ja rasch!“