„Und das hier — Reh — sie heißt Rebekka — Reh, komm hierher. Siehst du, sie ist ein Kind. Sie hat Tränen in den Augen. Aber sie ist auch ein bißchen angetrunken. Reh! Was tust du? Ach, siehst du, sie weint. Küsse ihn, so, so, küsse ihn. Er sieht ja nicht, man muß nett zu ihm sein.“
„Du siehst, wie sie dich hier verwöhnen. Das ist Blanche, und sie bringt dir ein Pralinee. Stecke es ihm doch in den Mund! Blanche heiratet übermorgen, und dann werden wir Tag und Nacht bei ihr tanzen. Sie heiratet einen Sattler, der im Kriege sieben Millionen verdient hat. Ja, reizend wird es bei ihr werden. Fühle nur ihre Ringe. Fühle doch. Alles echte Steine, aber er ist so verschossen in sie. Fühle doch ihre Wangen. Hast du je so etwas Sanftes gefühlt? Ihr Teint ist herrlich. Fühle ihre Hüften — was sagst du? — Ah, siehst du, Rinaldo —“
9
Allmählich wurden die Donnerschläge schwächer, das Gewitter zog langsam ab.
Erst nachdem der General ungeduldig wurde und seinen Titel nannte, erhielt er telephonischen Anschluß. Augenblicklich meldete sich Major Wolff, der Nachtdienst hatte.
Der General ließ sich Vortrag halten. Wolff las die wichtigsten Telegramme vor, die wichtigsten Eingänge — eine volle Stunde sprach der General am Telephon. Das Gewitter sog an den Drähten, zuweilen klang die Stimme Wolffs ganz fern und klein. Um jede Kleinigkeit kümmerte sich der General. Er gab mit kühler, klarer Stimme Anordnungen — schließlich aber war alles erledigt. Bitte morgen um einhalb acht um telephonischen Anruf. Schluß und gute Nacht!
Augenblicklich vertiefte sich der General wieder in die Aktenstücke, ohne aufzublicken. Ja, nun waren sie alle erledigt. Nochmals breitete er die große Karte über den Schreibtisch. Staubecken, Überschwemmungsgelände, natürliche Hindernisse — es mußte schließlich noch in letzter Stunde gelingen, den Riesenkörper der Armee rückwärts zu leiten. Vielleicht verführte ihn der gegenwärtige Zustand seiner Nerven zu einer allzu pessimistischen Beurteilung der Lage.
Der General war noch in voller Uniform, er hatte sich nicht umgekleidet. Und immer noch rauschte draußen der Regen.
Auch die strategische Betrachtung war nun abgeschlossen. Er warf noch eine Anzahl Notizen auf den Block, für morgen. Ja, nun war alles Dienstliche erledigt.
Ohne jede Unterbrechung, voller Hast, begann der General plötzlich einen Brief aufs Papier zu werfen.