Während des einstündigen Telephongespräches, während er die strategische Lage analysierte — immer hatte er nur an diesen Brief gedacht, um die Wahrheit zu sagen. Er hatte ihn völlig im Kopfe entworfen, und nun rasch, rasch, um die Sache zu Ende zu bringen.

Ein Vermögen . . .

Nun — das war ja schließlich das wenigste!

Aber schon fühlte er Unruhe. Gemurmel in den Ohren, Stimmen, die von innen heraus kamen, nicht von außen her, und absurde Worte raunten. Sein Herz schlug, es pochte in der Brust, im Kopf, in den Armen, im Schenkel. Die Wände klafften, das starre Auge blickte durch die Spalten in die schwarze Finsternis, leer, tot, kalt und unendlich wie der Raum zwischen den Sternen. Erschauernd schob er den Schreibtisch weit von sich und sprang auf.

Licht!

Lauten Schrittes, absichtlich ging er ganz laut, wanderte er durch die Zimmer. Er sprach abgerissene Worte vor sich hin, lachte mit geschlossenen Zähnen.

„Wie? Wie? Freundschaft — Treue — Glauben — wie?“

Grau sein Gesicht. Er vermied es, in die Spiegel zu blicken — aber doch, ohne es zu wollen, sah er immer wieder ein graues Gesicht durch die Spiegel wandern. Er schlich dahin, gebeugt, scheu, verfolgt. Geflüster kroch über die Wände, die toten Dinge begannen sich zu winden, das Licht blinzelte.

Im Salon hing sein Porträt, gemalt kurz vor dem Kriege. Von einem Schützling von — ihr! Aus Gefälligkeit hatte er sich malen lassen, er gab sonst nichts auf moderne Malerei. Früher war er jahrelang Mitglied eines Kunstvereins gewesen, dem hoher Adel und Grundbesitz angehörte, man zahlte zwanzig Mark Jahresbeitrag und erhielt dafür jedes Jahr irgendein Kunstblatt. Längst war er ausgetreten, aber da sie es gewünscht hatte —

Die Hände auf das Schwert gestützt, hatte ihn der Künstler dargestellt. Das Gesicht war kantig, hart, entschlossen. Trotz der angegrauten Schläfen blühend von Gesundheit und Kraft. Der Blick voller Festigkeit und Ziel. Vielleicht ein bißchen geschmeichelt das ganze Bild.