Ja, ein Vermögen, diese Frau — in der Tat, Rothwasser . . . Ihre Augen strahlten Reinheit, Treue, Unschuld. Es gab niemand, dessen Lachen und Stimme allein ein solches Maß von Vertrauen erweckte! Ihre Offenheit, ihre kindliche Naivität, ihre Unbefangenheit und Harmlosigkeit, unmöglich, gänzlich unmöglich — er hätte die Hand für sie ins Feuer gelegt.

Daß ihn seine Menschenkenntnis so trügen konnte!

Nein! Er legte die Feder weg. Schweigen, Schweigen — nichts sonst . . .

Plötzlich horchte er betroffen auf. Eine Stimme!

Diese Stimme?

Langsam und heiß stieg ihm das Blut in den Kopf. Die Adern an den Schläfen zuckten.

Ottos Stimme! Er rief nach dem Burschen.

Wollte er ihn herausfordern, der — Infame? Der General sprang auf. Mit zuckenden Schläfen stürzte er zur Türe . . .

In der Tat, Otto war gekommen, wie er zuweilen kam, seitdem er im Westen wohnte, um irgend etwas abzuholen, Bücher, Wäsche. Er kam zu jeder Tages- und Nachtzeit, wann es ihm gerade beliebte, und knallte ohne Rücksicht mit den Türen. Jetzt war er gekommen, um einen Gummimantel zu holen. Er brauchte ihn, da es noch immer in Strömen regnete.

Dies war der eigentliche Grund seines Besuches. Der zweite Grund aber war, ganz offen gestanden, daß er dem General seine Furchtlosigkeit beweisen wollte. Nein, er hatte keine Furcht vor einer Begegnung, nicht die geringste. Aus diesem zweiten Grunde schrie er auch etwas lauter, als es eigentlich nötig war. Sein Zimmer hatte er absichtlich offen gelassen. Jeden Augenblick konnte die Türe gegenüber aufspringen — nun, er war gewappnet. Seine hellen verwegenen Augen waren auf eben diese Türe geheftet, die sich jeden Augenblick öffnen konnte. Er war bereit, die Konsequenzen zu ziehen — zu allem war er bereit. Papa sollte nie und nimmer auf den Gedanken kommen, daß er sich feige in eine Ecke verkrieche.