Fünfzig Schritte feldein, im Staub, kohlt ein Flugzeug. Er war der letzte, der kam, er warf Nahrungsmittel ab, aber er kehrte nicht zurück. Fünf Schritte zur Linken aber liegt ein gekreuzigter Mensch auf der Erde, mit gebrochenen Gelenken, Arme und Beine von sich gestreckt, vom Luftzug fast völlig entkleidet, die Fetzen angesengt, flachgedrückt, das Gesicht ins Genick verdreht. Und noch schwelt das versengte Gras von den giftigen Dämpfen der Granate, die ihn kreuzigte. Es riecht nach verbranntem Fleisch und verbrannten Haaren.
Zehn Schritte zur Rechten aber kauert eine Gruppe von Leichen um ein Maschinengewehr, und sobald die Leiche im Erdloch die Hand hebt und die Zähne bleckt, so feuert sie. Schatten taumeln im Sandsturm. Schatten kommen, nähern sich, versinken. Aber weshalb geht die Leiche im Erdloch nicht zu dem Maschinengewehr? Das ist es eben. Sie kann nicht. Durch einen Balken sind ihre Beine festgeklemmt.
Und so kann sie nur die Arme heben, die Zähne blecken und schreien — aber man hört nichts.
Tanks kriechen im Sandsturm. Dort die Höhe, schwarzer Qualm. Durch den Sandregen ist zu sehen, wie Menschenleiber in die Luft fliegen — und Hauptmann Falk sieht deutlich die Sturmhauben, deutsche Sturmhauben, wirbeln. Dort im Nebel — Nebelwesen mit erhobenen Händen, fern, klein. Und die deutschen Batterien, sie, die stets bereiten, wo sind sie? Nichts, nichts, kaum zuweilen ein Einschlag drüben — völlig außer Gefecht, vergast.
Schatten im Sandsturm, im Qualm. Und wieder schreit er und bleckt die Zähne. Obschon er seit vierundzwanzig Stunden nichts gegessen hat, muß er sich wieder erbrechen. Die flachen Chinesenhüte verschwinden, versinken.
Zwanzig Kilometer hinter der Feuerlinie fährt ein schweres Eisenbahngeschütz aus dem Wald, von gutgelaunten, schwitzenden Kanadiern in Hemdärmeln bedient. Das Langrohr steigt in die Höhe, wird abgerissen. Die Mannschaft stürzt zurück, die Hände gegen die Ohren gepreßt.
Die Granate war unterwegs. Es war jene Granate — —
Ein Tank faucht durch den Sandsturm, hinweg über das Erdloch. Flache Eisenhüte. Amerikaner. Sie haben die Gewehre umgehängt und trotten durch den Sandsturm dahin. Nichts stört sie, sie haben keine Eile.
Vor den flachen Eisenhüten einher schreitet ein junger amerikanischer Offizier. Ein Deutscher, namens Martin. Man hat ihm gesagt, daß die deutschen Soldaten den Kindern die Hände abschneiden. Er hat es in den Zeitungen gelesen, er hat sogar Abbildungen gesehen mit eigenen Augen. Und nun ist er gekommen, diese Kinderschänder vom Erdboden zu vertilgen.