Horch! Die Stadt erbebt unter dem Tritt von Hunderttausenden. Über den tausend Köpfen schwankt ein Plakat: Nicht schießen, Kameraden!
Immer noch etwas zitternd von der Anstrengung des Treppensteigens saß der General an seinem riesigen Schreibtisch, in die Arbeit vertieft. Akten, Schriftstücke, er sah nicht auf. Die Fenster waren geschlossen, die blauen Vorhänge dicht zugezogen, es war nahezu dunkel. Unfaßbar, welche Unmenge von Arbeit sich angehäuft hatte! Ganz wie früher, vor seiner Erkrankung, als sei alles noch wie ehedem, arbeitete der General. Er versuchte es sogar mit einer Zigarre, ließ sie aber bald wieder ausgehen. Die Schriftstücke flatterten in seinen Händen.
Weißbach trat ein und erstattete Vortrag. In der Stadt bis jetzt alles ruhig. Nach ihm erschien der hünenhafte Major Wolff in der Türe, mit einer dicken Mappe: Entscheidungen, die der Vertreter des Generals nicht zu treffen gewagt hatte.
Auf jeden einzelnen Fall ging der General ausführlich ein, er verlor sich in Einzelheiten. Hier mußte nochmals erinnert werden, hier empfahl es sich, dringlich zu werden, hier war telegraphisch die Entscheidung der höchsten Stelle zu erbitten. Major Wolff notierte. Diese Angelegenheit aber wollte der General persönlich erledigen. Das Befinden? Ja, danke — um vieles besser, man kann wieder anfangen!
Wieder war der General allein, in seine Arbeit vertieft. Die Schriftstücke wehten in seinen Händen. Kein Laut, nicht ein einziger Laut!
Auf den Korridoren die Truppen, an allen Fenstern Stahlhelme, an den Eingängen schwere Maschinengewehre mit Munitionskästen. Das Amt eine Festung, die nur mit Geschützen genommen werden konnte.
Fröhlichkeit und Gelächter bei den Drillichkitteln in den Schreibstuben. Laßt sie klingeln, mögen sie ruhig klingeln!
Das Telephon.
„Ruhe, Kameraden!“
„Die Maikäfer haben soeben Rot gehißt!“