Ja, er, dieser Unbekannte, hatte den Argwohn in ihm geweckt — alles war daher gekommen, allein daher!

Noch heute, noch heute würde sie, Ruth —

Der Schmerz fraß. In seinem weiten Feldmantel, der nahezu den Boden berührte, schritt er durch die Zimmer. Auf seinem Schreibtisch lag Ruths letzter Brief: — die dich geliebt hat, Papa, und noch immer liebt . . .

Sie hatte ihm unrecht getan. Alles entsprang doch nur der Sorge um sie, der Fürsorge eines Vaters, dessen Pflicht es erheischte — Kannst du es denn nicht verstehen, mein Mädchen? Verhängnis über Verhängnis. Er, ihn getötet? Wie? Wie? Ihn, den sie liebte? Er? Aber, wie kannst du nur so etwas sagen?

Die Stille lauerte. Lauernd und feindselig umstrich ihn die eisige Luft. Der Brief flatterte plötzlich in seiner Hand.

Ohne jeden Zweifel, er war nicht allein.

Nein, nicht allein!

Wieder glitt der lange graue Mantel durch die Zimmer. Er drehte das Licht an. Niemand, natürlich. Aber er fühlte einen Blick auf sich gerichtet und dieser Blick folgte ihm überall hin.

Vorsichtig, mit zitternden Fingern, schob er den Vorhang zur Seite, er öffnete das Fenster, leise, und spähte durch einen Spalt der Jalousien hinaus auf die finstere Straße.

Da, da — sein Herz stockte!