Zwei Schatten wanderten über den Weg nebenan. Plötzlich bogen sie in die Büsche ein. Sie schlichen näher, immer näher. Ja, sie kamen zu ihm, beim Himmel. Seine Haare sträubten sich. Er wagte nicht mehr zu atmen.
Ein Mann und eine Frau, sie lagerten sich unter seinem Baum. Etwas Weißes schimmerte, Flüstern, Küsse, Lachen, Geplauder — leise Schreie — eine volle Stunde mußte er ohne jede Bewegung sitzen. Endlich gingen sie wieder.
Nun aber wollte er keine Minute mehr versäumen!
Die Dunkelheit begann zu sprühen. Augen öffneten sich in der Finsternis, erschrockene, entsetzte Augen — ja zumeist entsetzte — wenn die Hand des Gesetzes ausholte! Auch die Augen jenes jungen Mannes, der auf dem Straßenpflaster lag, noch etwas atmete und rief: Alle Völker sind Brüder!
Ja, auch diese Augen . . .
Kunze weinte. Und plötzlich sprang er, ohne Überlegung, — ein scharfer Schmerz schnitt in seinen Hals: zu Ende, vorbei —
Aber einen Augenblick später saß Kunze im feuchten Gras. Er konnte es nicht fassen, anfangs — der Strick war gerissen.
Weinend lief er durch den dunkeln Park, den Strick um den Hals.
9
Der General steht über die Karte gebeugt, entschlossen und eisig seine Miene. Lautlos tritt der Chef des Stabes ins Zimmer. Schon beginnen die Autos und Motorräder der Befehlsüberbringer zu dröhnen und zu rasseln. Der Boden zittert vom Feuer, dicht nebenan schlagen die Geschütze, als würden Türen aus Erz ins Schloß geschleudert.