Ich lieb’ sie nicht mehr, ich liebe alleine

die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine. —

Ruth vergötterte Schumann.

Aber da hatte sie auch schon die Handschuhe gefunden. Sie waren in eine leere Blumenvase geraten.

9

„He, Kutscher, sind Sie frei?“

Otto sprang in den Wagen. „Paradies-Bar!“ Es war eine alte, in allen Fugen klaffende Droschke. Das Pferd lahmte und schnellte in merkwürdigen Sprüngen vorwärts. Mein Himmel, was haben sie aus dieser Stadt gemacht, dachte Otto, mit einem Gefühl von Schadenfreude im Herzen. Er war zuletzt im vorigen Sommer einige Wochen hier gewesen, um sich von einer Gasvergiftung zu erholen — damals erschien ihm der Verfall noch nicht so furchtbar.

Einsam klapperten die Hufe des Pferdes in der finstern Straßenschlucht. Es hatte aufgehört zu schneien, Schmutz floß in den Rinnsteinen. Ohne Aufhören ging ein schwarzer Aschenregen nieder auf die tote, verkohlte Stadt.

Und früher, ein wogendes Meer von Licht! Schimmernde Perlenketten, blitzende Diademe auf den Dächern, rasende Feuerräder am geröteten Himmel, geschmolzenes Blei quillt aus den Fugen der Häuser. Die Scheinwerfer der brüllenden Autoherden, die gleißenden Lichtblöcke der Schaufenster — und fröhliche Menschen treiben im Licht, Damen, die Augen leuchten, und die Zähne blitzen. Lachen . . .

Da hielt die Droschke plötzlich. Das Pferdeskelett stand in seinem abgeschabten Fell und zitterte.