Sie war ein kleiner schwarzhaariger Irrwisch mit runden Katzenaugen. Ihrer — sehr entfernten — Ähnlichkeit mit der Tänzerin Saharet verdankte sie ihren Namen. Früher hieß sie — ja, wer sollte es wissen? Ströbel hielt sie als eine Art Hauskatze. Sie räkelte sich auf den Sesseln, telephonierte, das war ihre ganze Beschäftigung. Sie sprach geziert wie eine Ausländerin, eine Russin, eine russische Fürstin, und spielte die große Dame. Mit einem Wort, sie war ungeheuer lächerlich. Welchen Grund hätte auch Ströbel sonst gehabt, die Saharet zu halten?
Ja, also die Sache war die: die Saharet sollte ausgeschossen werden, als Preis sozusagen. Sie wollte dem ein Schäferstündchen gewähren, mit oder ohne Publikum, der sich ein Glas vom Kopf schießen lassen würde. In irgendeinem Vorstadttheater hätte sie einmal Wilhelm Tell gesehen.
„Abgemacht, gut, abgemacht!“ Hauptmann Feuerwalze hatte soeben zwei Likörgläschen auf fünf Meter Entfernung freihändig vom Büfett geschossen, er war zu allem bereit — ein Glas vom Kopf, schön — bitte nur zu befehlen.
Hier aber begannen die Schwierigkeiten. Niemand hatte Lust, seinen Kopf zu riskieren — schon war die Saharet gekränkt, daß man ihre Schäferstündchen so niedrig einschätzte, sie ließ die Katzenaugen im Kreise gehen, schmollte, bettelte — da kam Otto, und sie stürzte sich auf ihn.
Otto, der Retter, der Lohengrin der Saharet!
Die Augen der Kameraden, alle Blicke waren auf ihn gerichtet, das Gelächter, das flehende Schmeicheln der kleinen Saharet, Otto konnte nicht widerstehen. Ohne zu überlegen, beseelt vom Wunsche gleich in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu treten — nein, was für ein toller Junge war doch dieser Otto! — erklärte er sich augenblicklich bereit. Ein Glas Sekt, und die Vorstellung kann beginnen.
„Wie? Sofort?“ — Bravo! Ungeheurer Beifall!
Die Saharet tanzte vor Entzücken auf einem Bein und klatschte in die Händchen. „Ach, wie reizend, dieser Otto!“ Höchst persönlich kredenzte sie das Glas Sekt.
„Also los, fertigmachen“, schrie Hauptmann Falk mit wilden Augen.
Unter Gelächter und Scherzen wurde Otto gegen eine Wand gestellt. Es zeigte sich indessen zur allgemeinen Verwunderung, daß ein Glas auf seinem Schädel nicht so ohne weiteres stand. Ein kleines Buch, bitte! Darauf also stellte der kleine aus dem Lazarett entsprungene Leutnant mit dem verbundenen Kopf ein Sektglas. Sofort aber protestierte die Saharet. Das Glas war zu groß. Was sollte das für ein Kunststück sein? Sie selbst suchte ein kleines Weinglas heraus, rückte einen Stuhl heran und stellte es eigenhändig auf Ottos Kopf. „Nein, wie reizend von Ihnen, Otto!“