„Jawohl, die übernehme ich. Aber bleiben Sie bei der Fabrik dort nicht stehen. Da schießt er immer hin!“ Keck und forsch ist der Lange. Seine Kameraden sollen sehen, daß er nicht gleich die Fassung verliert, wenn ein paar Stabsoffiziere kommen. Das wäre noch schöner.

Wir sind keine zwanzig Schritt gegangen, da ruft uns der Lange nach: „Immer ein bißchen fix, sonst garantiere ich für nichts.“ Sie lachen. Ich drehe mich um und sehe, daß sie die Mäuler vor Vergnügen aufreißen. Es amüsiert sie, daß wir durch die „dicke Luft“ hindurch müssen, während sie es so behaglich bei ihrem Dutzend Sandsäcken haben. Kleiner und dünner werden sie im Feld, aber ihre roten Gesichter sind immer noch auf uns gerichtet. Sie wollen sehen, wie wir hinüberkommen.

Die Granate singt und pfeift, hoch oben, und schlägt links in die Fabrik. Hat er es nicht gesagt, der Tausendsasa? Rechts liegt das Feuer auf La Bassée und links auf der Fabrik. In der Mitte müssen wir hindurch, denn wir haben unser Auto in La Bassée eingestellt. Die englischen Granaten haben eine unserer Batterien aufgeweckt, und nun kracht sie dazwischen. Fegt die Granate hinüber, herüber? Es ist schwer zu sagen.

Das ist eine hübsche Sache geworden, alle Wetter! Wir gehen hintereinander und pflügen uns den Weg durch Kräuter und Stauden. Die Sonne brennt, und der Schweiß steht auf unseren Gesichtern. Alle paar Augenblicke müssen wir über Telephondraht klettern. Und wieder schlägt unser Geschütz. Wir hören es deutlich aus dem Brummen und Pochen in der Ferne heraus. Nun haben sie abgerissen und die zwei Zentner auf die Reise geschickt. Die Granate fegt ihre Bahn. Es dauert viele Sekunden, bis sie herankommt. Sie weint, sie klagt, als sei sie in der Klemme und nicht wir. Näher, immer näher. Was in der nächsten Sekunde geschehen wird, wissen wir nicht. Sie ist vorüber. Einschlag – dort!

La Bassée kommt näher, ganz langsam.

Es ist ein großer Unterschied, ob man selbst feuert und zusieht, wie etwas beschossen wird, oder ob man persönlich dabei engagiert ist, ohne Frage.

Bei den ersten Häusern kommt eine Granate angewinselt, näher und näher, aber plötzlich ist sie wie weggeblasen. Ein Blindgänger.

Nun, da sind wir. Wir atmen auf. Die Häuser geben ein Gefühl der Sicherheit. Gegen einen Volltreffer ist nichts zu machen, natürlich, aber gegen Splitter ist man immerhin einigermaßen gedeckt.

Die erste Straße ist ganz leer. In der zweiten sehen ein paar Feldgraue gemütlich aus dem Fenster. Sie sind unbekümmert und sorglos wie die Kanoniere draußen im Felde. Ja, sonderbare Burschen sind diese Grauen, das muß man sagen!

„Was macht ihr hier?“