Das Telephon tutet. „Jawohl?“ Das Regiment X. meldet, daß unser Feuer zu kurz liegt und die eigenen Gräben gefährdet. – „Das ist unmöglich,“ antwortet der Adjutant. „Es werden feindliche Einschläge sein.“ Er bekam recht. Ein paar Minuten später geht die Meldung ein, daß zwei feindliche Flieger in der Luft sind und das Feuer der Artillerie auf den betreffenden Graben lenken. „Ich werde einen Flieger hochschicken!“ antwortet der Adjutant. Eine andere Stelle muß schon Meldung gemacht haben, denn fünf Minuten später brummt ein deutscher Doppeldecker hoch oben über den Wäldern.
Wir essen zu Mittag: „Denn essen muß der Mensch, trotz allem.“ Der Adjutant sitzt in der engen Stube mit dem Rücken gegen das Telephon, um nur die Hand nach dem Hörer ausstrecken zu müssen. Dutzendmal wird er unterbrochen, aber doch findet er noch Zeit, mir zuzureden und nachzusehen, ob mir auch ja nichts fehlt.
Gegen elf Uhr schwillt das Feuer wieder zur früheren Raserei an. Die Geschütze taumeln vor Grimm. Immer hinaus, was die Rohre hergeben können! Dann kracht der Wald von furchtbaren Explosionen: die Minen wurden gesprengt. Die Erde zittert.
Und nun ist es elf Uhr. Jetzt müssen sie aus den Gräben! Es sind Minuten der größten Spannung.
4
Ja, nun steigen sie aus den Gräben! Auf der ganzen Linie von zwei Kilometern.
Über die Ausfallstaffeln klettern sie empor, durch die Sappen stürzen sie sich gegen den Feind. Handgranaten am Gürtel, Rauchmasken, Schutzschilde, eine Handgranate in der Rechten, fertig zum Abreißen, das Gewehr über der Schulter, bereit zum Schuß, bereit zum Zuschlagen. Die Kugeln schwirren.
Ein Mann fällt, während er sich aus dem Graben schwingt, ein Mann fällt auf den Grabenwall, ein Mann fällt nach drei Schritten – aber die Kameraden stürmen weiter, mit Hurra und Geschrei, hinein in Dunst und Rauch.
Der Gegner ist zusammengetrommelt, aber keineswegs erledigt. Aus Grabenlöchern feuert er, aus Granattrichtern, mitten in Schutt und Erde richtet er das Maschinengewehr, das noch intakt ist. In einer Sappe hat er sich zusammengedrängt, die Handgranaten krachen, weiter! Es fällt der Mann im Dunst, im Rauch. Ein paar Grenadiere bringen ein feindliches Maschinengewehr in Stellung. Sie fallen. Weitab sind schon die Kameraden. Vorwärts! Es fällt der Offizier.
Auf einer Linie von zwei Kilometern branden sie so vor. Heiß ist der Nahkampf. – –