Der General steht und läßt die Augen über die Kolonnen schweifen. Sobald er einen Verwundeten sieht, läßt er ihn herankommen, fragt, forscht: „Ulan, bringen Sie den Mann zum Verbandplatz.“ Aus jeder Kolonne scheidet ein Trüppchen Verwundeter aus und hinkt, humpelt und taumelt hinter den Führern her.

Aber der General hat seine Augen überall. Er sieht auch, was hinter den Kolonnen vorbeikommt, ruft, ermuntert, lobt.

Da kommt auch mein Grenadier mit den zwei Postpaketen am Gewehr zurück. Heute morgen sah ich ihn in die Gräben hinaufgehen. Da ist er wieder. Eine Handgranate hat ihn leicht am Gesicht verletzt. Er hatte gar nicht Zeit, seine Paketchen zu öffnen.

Es werden immer mehr Gefangene. Es sind ganze Züge und Kompanien – und auf der anderen Seite des Berges soll es auch in die Hunderte gehen!

Der General kann unmöglich alle übersehen, und so gehe ich die Kolonnen entlang und suche die Verwundeten heraus. – „Herr General, hier ist ein Mann mit einem Armschuß.“ – „Ulan, zum Verbandplatz.“ – Väterlich sorgt der General für den Feind. Sein Ton ihnen gegenüber ist freundlich und schlicht.

Ein Gefangener fragt mich, ob er nicht ebenfalls verbunden werden könnte. Ich sehe ihn an, er sieht etwas erschrocken aus, aber ich sehe keine Verwundung. Er hat Schüsse da unten, sagt er. Augenblicklich läßt er die Hose herunter, und ich sehe, daß er einen Schuß im rechten Oberschenkel und einen über dem Gesäß hat.

Ich führe ihn zum General. Auch hier will er sofort die Hose herunterlassen, aber der General glaubt ihm so.

„Nehmen Sie den Mann da noch mit, Ulan. Stützen Sie ihn, so, immer vorwärts.“

Kolonnen um Kolonnen ziehen vorbei. Jetzt, um ein Uhr, sind schon eintausendvierhundert Gefangene gemeldet. Im ganzen wurden es zweitausend. Immer neue strömen aus dem Wald. Karren, Bahren, Verwundete. Nie werde ich diesen Weg im Argonnerwald vergessen.

Vor dem Verbandplatz liegen und stehen die Verwundeten herum. Sie sind ruhig und fühlen sich geborgen. Die Ärzte sind drinnen an der Arbeit. Ich sehe, wie der freundliche, lebenslustige Chefarzt ernst und hingegeben einen blutigen Lappen mit der Schere abtrennt.