Das ist die Kehrseite von Hurra und Siegesjubel. Es ist Krieg, man darf es nicht vergessen.

Die Geschütze dröhnen, die Einschläge krachen, die Granaten gurgeln und pflügen durch die Luft. Verirrte Kugeln und Sprengstücke surren und klirren. Zwischen den Bäumen wandern wie eine blaugraue Schlange die Gefangenen.

Droben in den Gräben aber geht es weiter, heiß und blutig. Die eroberten Gräben müssen instand gesetzt, Schutzschilde und Sandsäcke auf die andere Seite gebracht werden. Die Gewehre peitschen, Maschinengewehre hämmern, der Kampf geht weiter. Bis die Nacht kommt, und auch in der Nacht wird es keine Ruhe geben.

Wir fahren los und jagen quer durch die Argonnen, um zu hören, wie es auf der anderen Seite des Berges ging.

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Auch auf der anderen Seite des Argonnerwaldes war alles nach Wunsch gegangen. Wie auf der Eselsnase waren die Tapferen auf der Hubertushöhe aus den Gräben geschnellt und hatten den Feind geworfen. Bis jetzt, nachmittags, hatten sie über achthundert Gefangene gemacht. Das ist eine hübsche Anzahl im Grabenkrieg!

Die krumme bucklige Straße des armseligen Argonnendorfes ist überschwemmt von blaugrauen Franzosen. Und oben erscheint schon eine neue Kolonne. Ein ganzes Bataillon ist hier versammelt. Die Bewohner des Dorfes stehen vor den Haustüren und begaffen ihre Landsleute. Zuweilen habe ich in dem und jenem Orte gesehen, daß Frauen weinten, wenn Gefangene vorübergeführt wurden. Hier nehmen sie es gelassen. Hunderte und Tausende sind schon aus den Wäldern herunter in ihr Dorf gekommen.

Fast alle tragen den blaugrau gestrichenen Stahlhelm, der tief über den Kopf gestülpt ist, so daß sie gerade noch geradeaus blicken können. Einzelne haben ihn verloren oder fortgeworfen und sich Sacktücher über den Kopf gebunden. Einer trägt nur das Lederfutter des Helmes. Der Helm gibt ihnen allen ein ungewohntes und leise komisches Aussehen. Ich bin sicher, daß es drüben bei ihnen großes Gelächter und Scherzen gab, als die ersten mit diesem Möbel anrückten. Viel Wert kann der Helm nicht haben. Dafür ist er zu dünn. Gegen Splitter, Steinschlag höchstens, aber das würde auch der Schädel aushalten. Immerhin ist er schwer genug, um dem Mann das Schwitzen beizubringen. Sie schwitzen alle jämmerlich, die armen Burschen.

Sie sind zumeist erschöpft und abgestumpft vom Kampf. Groß, klein, Grauhaarige, halbe Knaben, ernste Männer und unreife Bengel, schwarzäugig, blauäugig, hager und rund, Bärte, Milchgesichter, alle verschieden groß. Die blaugrauen Rockärmel voller Lehm und Schmutz, die Schuhe zerweicht, die Wickelgamaschen zerrissen. Sie kommen aus der Schlacht, das muß man festhalten, die Ausrüstung ist jedenfalls gut. Einzelne tragen rote Wollschärpen um den Leib, andere Wollwesten, einer steckt in einem blauen Arbeiteranzug. Die Verwundeten sind schon alle ausgeschieden. Einzelne nur haben Verbände an Hand oder Kopf, leichte Schrammen. Sie kauen, rauchen, kramen die paar Habseligkeiten aus der Tasche, die sie aus der Katastrophe retteten. Manche lachen schon wieder. Sie sind eine etwas zusammengewürfelte Gesellschaft, ohne jeden Zweifel. Zumeist vom Süden. Sie sollen sich indessen wacker geschlagen haben.

Abseits stehet ihr Bezwinger: der Kronprinz und der Kommandierende, und betrachten sie und tauschen Beobachtungen aus.