„Ja, zuweilen kommt es über mich, dann muß ich ganze Tage spielen,“ antwortete Grau.
„Ich hörte es bis in mein Zimmer. Was haben Sie denn da? Einen Ring?“
Graus Finger spielten mit einem Ring, einem schmalen silbernen Reif mit winzigem blauen Stein. Das sei ein Ring, den er sozusagen gefunden habe. Sie habe ihn wohl nicht verloren? Er steckte den Ring wieder in die Westentasche.
Adele lachte. „Ich habe niemals einen solchen Ring gehabt,“ rief sie aus, „sicherlich gehört er einer Köchin. Weshalb sehen Sie mich denn so verwundert an?“
„Tat ich das?“
„Ja, zuweilen können Sie recht wunderlich sein!“
Als sie in den Tanzsaal kamen, war der Walzer gerade zu Ende und die erhitzten Paare strömten heraus. Die Herren wischten sich den Schweiß von der Stirne und grüßten Adele, die Damen wechselten ein paar Worte mit ihr und blickten erstaunt auf Grau, der Adele am Arme führte.
„Warten wir bis zum nächsten Tanze,“ sagte Adele und lächelte. „Hier ist es übrigens kühler. Guten Abend, Klara! Vielleicht könnte man sich auch einen Augenblick irgendwo hinsetzen, nicht wahr? Mein Gott, dieser Herr Eisenhut glaubt, man erkennt ihn nicht. Ist das nicht komisch? Dann werden Sie mir jene Geschichte, erzählen, die Sie mir schon solange schuldig sind.“
„Welche Geschichte? Jede Geschichte, die Sie wollen, natürlich, denn Sie sind so freundlich zu mir, daß ich mich gerne dankbar zeigen möchte, aber ich erinnere mich ja gar nicht —?“
Ein schmetterndes Trompetensignal erscholl und alles rannte in die chinesische Straße hinaus. Herr Bezirksamtmann Häberlein sprach einige Worte, die einen lauten Beifall wachriefen. Ein kleiner Mann mit weißer Künstlermähne trat auf die Bühne. Das war Herr Photograph Leistlein, der eine Extranummer zum besten gab.