Adele lachte. „Was für ein Unsinn! Es ist zu dumm. Sie lachen, weil Sie nicht begreifen können, daß die Leute über einen solchen Unsinn lachen können. Nun sind wir Gott sei Dank allein.“

Der Saal hatte sich geleert und nur zwei junge Mädchen gaben sich gegenseitig Anweisungen im Tanzen; sie hüpften hin und her und kicherten und quiekten. Eine Mauer von Rücken versperrte den Eingang zur chinesischen Straße, die in all dem Rauch wie ein Bild in einem blinden Spiegel aussah. Man hörte Herrn Leistlein in verschiedenen Stimmen sprechen, zuweilen unterbrach ihn rasender Beifall.

„Wie wohl das tut, diese Ruhe!“ sagte Adele und ließ sich auf eine kleine Bank nieder. „Sehen Sie doch, die vielen Lampione, wie hübsch! — Die Geschichte von jener Frau, der ich ähnlich sehe, Sie erinnern sich wohl?“

„Gewiß erinnere ich mich,“ antwortete Grau. „Ist es nicht merkwürdig, daß ich seitdem wieder von dieser Frau geträumt habe? Sie sieht Ihnen übrigens nicht so sehr ähnlich, es ist nur Ihre Art den Kopf zu tragen und vor allem Ihre Augen.“

Adele unterbrach ihn. „Sind denn so schreckliche Dinge in jenem Traume geschehen!“ rief sie lachend aus. „Setzen Sie, sich Herr Grau. Weshalb muß ich Sie erst dazu auffordern? Lassen Sie alles Zeremoniell beiseite, Sie sind auf einem Maskenball und sprechen mit einer Japanerin. Beginnen Sie mit dem Traum. Ein Traum, das war es doch?“

„Danke,“ sagte Grau und nahm neben Adele Platz. „Ja, es war ein Traum. Es war übrigens einer der schönsten und einer der merkwürdigsten Träume, der mir je geschenkt wurde. Es kommt ein Sternschnuppenregen darin vor und was diese Frau mir alles gesagt hat — ich träumte, ja, nun will ich endlich beginnen — ich träumte, daß ein Geist mich dahintrage.“

„Ein Geist?“ Adele stützte das Kinn in die Hand und blickte gerade aus. Sie hatte ein feines anliegendes Ohr.

„Ja. Ein Geist, der wie ein Wind sauste, er trug mich dahin über die Lande in schwindelnder Schnelligkeit durch Wolken hindurch, plötzlich näherten wir uns der Erde und flogen über schlafende Städte, riesige, schlafende Städte mit hohen steilen Häusern. Die Städte waren ohne Licht, ohne Laut, ungeheuer stumm und tot. Sie schliefen und wir flogen an einem Heer von Fenstern vorbei. Ich sah in all diese Fenster hinein und obgleich es dunkel war, sah ich sehr genau.“

„Was sahen Sie denn da?“ fragte Adele.

„Ich sah Kinder, die schliefen, Tausende und Tausende von schlafenden Kindern sah ich, alle schliefen sie, friedlich, müde, gesund, ihre Backen glänzten rot und ihre Münder standen halb offen, ich sah all diese kleinen Brustkörbe atmen, Millionen solcher Kinder habe ich gesehen, es war ja im Traum, gelbe, braune, weiße Gesichter, alle Rassen.“