Der Chinese beugte sich zu Grau. „Individualitäten, Aristokraten, sagte ich, sind wir. Gehören zu keiner Partei. Wir alle, wie Sie uns hier sehen, und auch Sie, Herr Grau — wenn ich Sie recht kenne, nach all dem, was ich von Ihnen gehört habe — auch Sie sind Aristokrat und Individualität! Auf Ihre Gesundheit!“

Grau lächelte und schüttelte den Kopf. „Auf Ihr Wohlsein!“ sagte er. „Ich danke Ihnen für Ihre gute Meinung, aber Sie überschätzen mich ganz ungeheuer. Ich bin kein Aristokrat, bei Gott, nein, noch lange nicht! Ich würde es auch nicht wagen, mich eine Individualität zu nennen. Ich bin noch weit entfernt davon, zu jung, zu wenig reif; ich danke Ihnen vielmals, aber eine Individualität — sehr schmeichelhaft, allein —“

„Ha!“ schrie der Redakteur. „Prosit, Herr Grau! Ultramontanismus, Ultramontanismus, Prosit!“

„Aber?“ sagte der fette glänzende Chinese gedehnt und sah Grau mit den kleinen Augen an, die schimmernd in den fetten Backen schwammen. „Ich dachte —“

„Keine Gespräche, Professor,“ unterbrach ihn Dr. Nürnberger. „Keine Gespräche. Es nimmt kein Ende und kommt nichts dabei heraus zum Schlusse. Spielen Sie!“

„Ich spiele ja! Sehen Sie denn nicht, daß ich ganz verzweifelt spiele. Ah! wo bleibt denn deine Bowle, Eisenhut, machst immer ein großes Geschrei! — Sie sind ja zu bescheiden, verehrtester Herr,“ wandte er sich an Grau. „Nun, Sie können sich nennen wie Sie wollen, aber wir hier sind alle Individualitäten und Aristokraten.“

Er beschrieb mit der Hand einen Bogen, der die ganze Gesellschaft einschloß. Dann erhob er das Glas und fügte hinzu: „Und nun lassen Sie uns ein Glas auf unsere Zeit leeren, die Zeit der Aufklärung!“

Redakteur Heinrich schrieb eifrig an seinem Festbericht für den „Gauboten“, er kritzelte mit dem Bleistift einige Briefbogen voll, spielte dabei und horchte noch dazu immer mit einem Ohre auf das Gespräch an seiner Seite. Sobald jemand prosit sagte, schrie er ebenfalls prosit, und als er etwas von Aufklärung hörte, sprang er auf und schwenkte das Glas. „Aufklärung in Stadt und Land, prosit!“ schrie er.

„Nun?“ sagte der dicke Chinese zu Grau. „Sie trinken nicht, Sie scheinen nicht einverstanden zu sein mit mir?“

„Gewiß, ich trinke,“ sagte Grau. „Mein Glas ist leer — danke, Herr Doktor!“