Über den öden Marktplatz fuhr der Wind und kämpfte mit einem Zeitungsblatt, das offenbar die Absicht hatte, die Kirchgasse hinauf zu rollen. Aber der Wind zwang es, umzukehren, zerrte es an den Häusern entlang und ließ es endlich die Gasse, die zum Flusse führte und Fischergasse hieß, hinabflattern.
Sobald das Zeitungsblatt in der Fischergasse verschwunden war, tauchte der Fremde, der sich Richard Grau genannt hatte, aus der langen Gasse auf, den Reisesack in der Hand.
Er ging langsam auf das Hotel „Zum weißen Elefanten“ zu und sah sich das Hotel von oben bis unten aufmerksam an. Es war ein alter gelber Fachwerkbau, der die Fenster gerade da hatte, wo niemand sie suchte und sich im Gegensatz zu all den andern Häusern ringsum zurückbog. Rechts unten hatte es einen kleinen Erker, der sich auf eine kurze, plumpe Säule stützte. Aus dem Erker schimmerte Licht. Vor dem breiten Tor stand der Hotelwagen, der einer großen Hutschachtel ähnlich sah.
Die Aufschrift „Hotel zum weißen Elefant“ zog sich über die ganze Breite des mächtigen Hauses hin und zum Überfluß hing noch ein Schild über dem breiten Tore, ein kleiner, drolliger Elefant mit kurzen Stoßzähnen und geschwungenem Rüssel und listigem Schmunzeln, ähnlich jenen ausgestopften Exemplaren, die die Kinder an einem Stricke hinter sich herschleifen.
Der kleine weiße Elefant schwang sich im Winde und schmunzelte.
Grau stellte die Reisetasche ab und ordnete sein Halstuch. Es wird wohl besser aussehen! dachte er und suchte in den Manteltaschen nach den Handschuhen. Aber diese Handschuhe, dicke, warme Handschuhe, die er erst gestern gekauft hatte, waren nicht zu finden. Plötzlich hörte Grau auf zu suchen. „Aber natürlich!“ rief er aus und lächelte und sein Antlitz nahm einen glücklichen und träumerischen Ausdruck an.
Er räusperte sich und zog die Klingel. Ein kleines Fenster an der Wand fiel herab und eine hastige, sich überstürzende, ärgerliche Stimme fragte: „Wollen Sie Bier?“ Es hörte sich wie Gebell an.
Grau nahm den Hut ab. „Nein,“ sagte er, „ich will ein Zimmer — ein einfaches Zimmer, nicht zu teuer. Nur für diese Nacht.“
„Äh!“ bellte die Stimme und ein ärgerliches kleines Gesicht fuhr zum Fenster heraus. „Sie haben an der Gassenschenke geläutet, sehen Sie denn nicht die Fremdenglocke? Können Sie denn nicht lesen?“
Grau lächelte. „Natürlich kann ich lesen,“ sagte er, „entschuldigen Sie nur, wenn ich an der Gassenschenke geläutet habe —“