„Die Tafeln,“ sagte sie, „die Tafeln sind verschwunden. Vor den Hunden wird gewarnt, Vorsicht Selbstschüsse — Sie erinnern sich? Was ist doch mit Herrn Eisenhut vorgegangen? So artig und nett, wie er heute war! Was mußten Sie sich doch denken, als ich ihn auf dem Liederkranzball so schlecht behandelte?“

„Es ist wahr, Sie waren grausam gegen ihn.“

„Aber warum doch? Warum quälte ich ihn denn? Ich hatte zu viel Sekt getrunken und plötzlich kam es über mich. So häßlich war ich an jenem Abend. Und Eisenhut quälte ich, weil ich mich ihm gegenüber schuldig fühlte. Freilich, er erinnerte mich auch zu oft daran. Ich habe einmal schlecht gegen ihn gehandelt und er hat mir doch einen großen Dienst erwiesen — er lieh mir zehntausend Mark und wollte nicht einmal einen Schuldschein haben — aber ich will gar nicht davon sprechen. Ich habe auch noch andre häßliche Bemerkungen gemacht.“ Sie sah Grau prüfend an.

„Ich erinnere mich nicht mehr an alles, was an jenem Abend gesprochen wurde,“ sagte Grau.

„Das ist gut,“ fuhr Adele fort, sie stockte. „Haben Sie denn Besuch, Herr Grau? Es sitzt jemand auf Ihrer Treppe,“ fragte sie.

Vor dem kleinen Hause Graus saß eine dunkle Gestalt und rauchte Pfeife. Es war ein kleiner alter Mann. Er erhob sich und machte eine Verbeugung.

„Ich rauche Ihre Pfeife, Herr Grau, mit Ihrer Erlaubnis,“ sagte er.

„Es ist ein alter Handwerksbursche,“ sagte Grau, „der vorläufig hier wohnt. Er saß eines Tages auf meiner Treppe, abends, als ich heim kam, fand ich ihn da. Er war krank und hatte Fieber. Man hatte ihm die Aufnahme in der Herberge verweigert, weil seine Papiere nicht in Ordnung waren. Ich konnte ihm doch nicht gut ein Obdach verweigern, zumal er Fieber hatte, nicht wahr? Übrigens stört er mich nicht, ich habe ja so viel Raum.“

„Wie lange wohnt er schon hier?“

„Drei Wochen. Warum?“