Eisenhut versank in tiefes Nachdenken und lauschte auf das Lied, das der Lehrer in der Küche brummte: Es war einmal ein König, der hatt’ einen großen Floh —
„Ich habe in meinem ganzen Leben nichts erraten können,“ antwortete Eisenhut, der mühsam seine Ungeduld verbarg.
„Es ist so schwer, es zu sagen!“ flüsterte Susanna und streichelte Eisenhuts Hand. Sie streichelte die ganze Hand und dann jeden einzelnen Finger. „Nun?“ fragte sie und blickte ihn mit feuchten, pechschwarzen Augen an.
Nein, niemals könne er es erraten.
„Wir knicken und ersticken — doch gleich, wenn einer sticht —“ brummte Lenz in der Küche. „Bravo, bravo, das war schön! — So soll es jedem Floh ergehn!“
Susanna nahm Eisenhuts Hand in beide Hände und liebkoste sie auf beiden Seiten. Es handele sich um Mütterchen. „Seien Sie gut zu Mütterchen,“ flüsterte sie.
Eisenhut nickte.
Und Susanna fuhr flüsternd fort: „Mütterchen darf es nie erfahren, daß ich Sie darum gebeten habe, und auch Sie müssen verzeihen, daß ich es tat, lieber, guter Herr Eisenhut. Aber Sie wissen ja, Mütterchen kann nicht sprechen, sie kann nicht bitten. Sie kann nur hungern, leiden und in ihre Schürze weinen. Und Sie, ach, auch Sie, Herr Eisenhut, Sie sind ja gut, aber Sie wissen gar nie, wo es einem fehlt und wie Sie ihm helfen könnten. Was soll aus Mütterchen werden, wenn Sie ihr nicht etwas helfen?“
Grau sagte leise: „Mütterchen soll es gut haben. Dafür werden wir beide sorgen. Und du, sobald es besser geht —“
Das wisse sie, das beruhige sie. „Aber nun, wenn Herrn Eisenhuts Mutter stirbt — wir setzen den Fall, wolle sie noch recht lange leben, — ja — aber wir setzen den Fall — was dann?“ Sie habe nun gedacht, Herr Eisenhut habe ja doch ihre Reise nach dem Süden bezahlen wollen — das sei ja so fraglich, ob sie reise — ob er nicht das Geld vielleicht —