Adele küßte Susannas Hände.
„O, wie gut du bist!“ seufzte Susanna. „Ja, denkt alle nicht mehr an das Böse, das ich euch zufügte.“
Niemals habe sie ihnen Böses zugefügt.
„In Gedanken! In Gedanken fügen wir einander ja alle Böses zu. Und auch ich tat es. Gerade in den letzten Tagen habe ich einen bösen Gedanken gehabt. Ich habe gedacht, ja, auch sie werden einmal sterben müssen, auch sie. Nun sind sie jung und schön, aber einmal wird es auch an sie kommen. Das habe ich gedacht und es tat so gut das zu denken. Ich freute mich darüber — haha — ich habe gelacht dabei — auch sie, auch sie, alle, alle, alle werden sterben müssen! Vergebt mir! Lebt wohl, Lebt wohl!“
Die Freundinnen küßten ihr die Hand, Maria weinte in das Taschentuch.
„Wie lieb sie mich haben, die guten Geschöpfe, sieh nur!“ sagte Susanna zu Mütterchen, die mit einem Glase aus der Küche kam. Und sie drückte die Fingerspitzen in die Wangen und ihre Augen wurden noch größer und strahlender.
„Da gehen sie dahin!“ sagte sie und blickte den Freundinnen nach, die in hellen Kleidern durch die sonnige Wiese gingen.
„Lebt wohl!“
Sechstes Kapitel
Lebe wohl, mein Geliebter!