Plötzlich fiel Grau das Versprechen ein, das er Susanna gegeben hatte, und er erbleichte so sehr, daß Adele es gewahrte.
„Weshalb sind Sie plötzlich so bleich geworden?“ fragte sie.
„Es ist nichts. Gute Nacht.“
„Gute Nacht, Herr Grau.“ —
Am andern Tage starb Susanna.
Siebentes Kapitel
Grau schlief, da kam ein kleines Mädchen zu ihm ins Zimmer, es blieb an der Türe stehen und winkte schüchtern mit dem Zeigefinger. Aber er regte sich nicht, er war todmüde. Das Mädchen hatte hohe, schlanke Beine und einen silberblonden Lockenkopf. Es näherte sich und berührte mit geheimnisvoller wichtiger Gebärde seinen Arm: Grau erwachte.
Seine Brust war beklommen, er vermochte kaum zu atmen und konnte keinen klaren Gedanken fassen.
Im Zimmer war es dunkel, aber durch den Spalt der Fensterladen konnte er hinaus in den Mittag blicken. Alles schlief in der roten Sonne, kein Zweig schwankte. Der Garten sah verändert aus und auch er schien ein Geheimnis zu wissen. Graus Beklommenheit wuchs zur Angst. Susanna! dachte er und verließ rasch das Haus.
Er ging so rasch, daß die Leute ihm erstaunt nachblickten. Die Kinder spielten vor den Häusern, sie schrien und lachten und eilten auf Grau zu. Aber er hatte heute keine Zeit. Er lächelte und winkte ihnen ab. Nun liefen sie rasch neben ihm her, tanzten vor seinen Füßen, lachten; es wurden ihrer immer mehr. Überall öffnete man die Fenster, um zu sehen, was es eigentlich gäbe. Aus allen Häusern kamen die Kinder heraus und aus allen Gassen.