Grau ging sehr schnell, aber die Kinder tanzten um ihn herum, es war ihnen ein leichtes zu tanzen und doch mit zu kommen. Sie schrien ihm zu, was sie spielten, was sie gegessen hatten, wohin sie gehen wollten und eine Menge Neuigkeiten.
Erst beim Tore blieben sie zurück und nur einzelne folgten ihm noch. Grau beschleunigte den Schritt noch mehr, der Schweiß stand ihm auf der Stirne. So oft ihn der Gedanke durchfuhr, daß er Susanna nicht mehr lebend anträfe, lief er ein Stück des Weges.
Von der Brücke aus sah man Susannas Haus in der Sonne liegen. Je weiter der Sommer fortschritt, desto tiefer schien das Häuschen in die Wiese zu sinken. Es war von Sonnendunst eingehüllt. Wer aber war das, der im Garten stand und mit einem leuchtenden Tuche winkte? Grau erschrak. Es war Susanna, so unmöglich es ihm auch schien.
Sie stand im Garten, weiß gekleidet, Eisenhut war bei ihr und Mütterchen mit der Brille lehnte am Pfosten der Türe. Susanna winkte und öffnete das Gartentürchen.
„Nun?“ rief sie mit hoher, feiner Stimme. „Was sagst du dazu? Ich habe so sehr gewünscht, daß du kämest, und nun bist du da!“
Sie war klein und niemals hätte er sich denken können, daß sie so klein war. Ihre schmalen Wangen waren von einer gleichmäßigen Fieberröte überzogen und ihre großen Augen leuchteten gespenstisch.
Eisenhut lachte. „Ich hätte gestern keinen Pfennig mehr für sie gegeben!“ rief er. „Sie sah aus als ob man sie sofort in den Sarg legen könnte, heute steht sie auf, zieht das weiße Kleid an und geht herum. So verrückt, wie?“
„Ich kann auch wieder sprechen!“ sagte Susanna und atmete tief. „Ich habe die ganze Nacht hindurch geschlafen und in meiner Brust ist etwas vor sich gegangen. So leicht und frei. Wie ich atmen kann, so tief! Oh, wie schön ist es doch zu gehen. Ich bin so müde in den Knien und das ist so schön!“
Grau drückte sie an die Brust. „Ja,“ hauchte er. Er fand keine Worte.
Susanna ging langsam in ihrem Gärtchen umher, besah die Rosen, den Mohn, die Nelken, die Halme und liebkoste die Blätter. Sie legte die Hände in das Gras und sagte, wie kühl doch das Gras sei. Wärme und Duft standen wie eine Mauer im Garten. Sie ging zu dem kleinen Fliederbusch, steckte das Gesicht hinein und ließ sich die Wangen von den Blütentrauben liebkosen.