Am Himmel türmten sich mächtige Wolken gleich phantastischen Ballen von feuerfarbener Seide, die an der Oberfläche rote Glut versengt hatte. Der Wind erwachte.

„Sieh, wie der Wind läuft!“ rief Susanna und deutete über die Felder. „Wie hurtig!“

Man sah ihn laufen. Er kam über den Hügel herab, strich über die Felder, wühlte sich ins Korn und schmiegte sich auf den Wiesen ins Gras wie ein Hund. Er kam rasch näher, die Blätter eines Haselstrauches begrüßten ihn, die Blumen am Wege verneigten sich: Er war da, warm, duftend, schwül und Susanna hustete als er zu ihr kam und ihr goldenes Brusttuch in die Höhe hob, gleichsam um zu fühlen, wie fein es war. Einen Augenblick und schon war er verschwunden.

Dann kam er von neuem über die Wiesen.

„Sieh doch, wie rasch er läuft! Vielleicht kommt ein Gewitter.“

Ein Zitronenfalter segelte über die Wiese und Susanna ließ ihn nicht aus den Augen, fieberhaft rückte sie den Blick hin und her. „Pst?“ sagte sie. „Sicherlich wird er den Flieder riechen und hierher kommen. Locke, locke!“ sagte sie zum Fliederbusch mit beschwörenden Blicken. Der Zitronenfalter gaukelte zuerst um eine Kleeblüte, dann kam er in den Garten herein und Susanna, ganz atemlos, streckte behutsam die Hand aus. Sie zitterte am ganzen Körper vor Erregung. Ihre Lippen zitterten, ihre Blicke sogar. Es war, als wolle sie die Natur fragen, ob sie ihre Liebe erwidere. Da setzte sich der Falter auf ihren Finger.

Ohne Regung stand Susanna und blickte lächelnd auf den Schmetterling, der seinen Rüssel auf ihren Finger setzte und mit den gelben Flügeln wippte. Sie streifte Grau mit einem triumphierenden Blick.

„Er sieht mich an!“ sagte sie leise. Der Falter flatterte in die Höhe und flog über das Dach, Susanna sah ihm nach bis er verschwand. Dann atmete sie tief auf.

„Das war schön!“ sagte sie leise. „Das war schön!“ Sie blickte mit einem langen Blick in die Weite. Die phantastischen Ballen feuerfarbener Seide wurden dunkel und da wo die Glut sie versengt hatte flatterten aschgraue unheimliche Schleier. Susanna lächelte und seufzte und ging ganz von selbst hinein ins Haus.

Mütterchen war verwirrt vor Freude. Ja, nun könne Susanna wieder aufstehen, oh, du guter Gott!