Grau sagte: „Es ist kein gutes Zeichen, Mütterchen!“ und legte ihr die Hand auf den Scheitel und sah sie an. Mütterchen erblaßte und zitterte.
Grau gab Eisenhut ein Zeichen mit den Augen und ging hinein zu Susanna.
Susanna lag mit geschlossenen Augen. Er setzte sich auf den Rand des Bettes und legte ihr die Hand auf die Stirn. Sie schlug sofort die schwarzen Augen auf, in denen der Glanz verglühte. Sie lächelte müde. „Ach, so müde, so köstlich müde, aber meine Brust ist so leicht und frei. Das ist der Frühling, ja. Du hast es gesagt. Du und der Frühling, ihr zwei habt mich gesund gemacht. Wende deinen Kopf und sieh ins Licht! Ja, sie sind golden, deine Augen sind golden! Bald werde ich in den Wald gehen können. Ich höre Gesang, Lieder höre ich, wie ist das doch?“ Ihre Stimme klang fein und ferne; die Kräfte erloschen rasch.
„Wir werden zusammen in den Wald gehen, Susanna, du und ich!“ sagte Grau. Er sprach nun unausgesetzt. Davon wie es im Walde sein werde, wie alles sein werde, alles. Denn bald würden sie ja zusammenleben.
„Ja!“ Und Susannas Augen leuchteten nochmals auf, während ihre Wangen erblaßten, mehr und mehr. „Wie wird es sein?“
„Nun höre zu,“ fuhr Grau fort, „höre zu und sieh mich an. Ich will dir sagen wie es sein wird. Du wirst die Herrin im Hause sein und ich werde warten bis du mich rufst. Sage nichts und höre zu. Wenn wir drei Zimmer haben, so werden zwei davon dir gehören. Da wirst du wohnen. Du wirst eine Bibliothek haben, ganze Regale voll der schönsten und neuesten Bücher. Du wirst auch einen Schreibtisch am Fenster haben mit einem Stoß von weißem Papier darauf, damit du all deine klugen Gedanken aufschreiben kannst, wenn du Lust dazu hast. Ich werde an der Türe lauschen, wenn du schläfst, ich werde stehen und auf deine Atemzüge lauschen, und ich werde denken: Susanna schläft da drinnen. Ich werde hören, wenn du dich rührst. Ich werde nicht schlafen. Ich werde denken, es ist nicht die Zeit zu schlafen, ich muß hören, wie Susanna schläft, ich muß ihrem Atmen lauschen.“
„Oh! sprich, wie wird es sein!“ Tränen traten in ihre Augen.
„Dann werde ich hinausgehen und große Sträuße für dich pflücken, Susanna, aus all den Blumen, die du besonders liebst. Der Tau soll an den Blumen sein und ich werde die Sträuße auf deine Schwelle legen und der Tau wird daran sein. Dann werde ich warten und endlich werde ich dich sehen. Ich werde dir in die Augen blicken — wie ich es jetzt tue — und ich werde fragen, ob du gut geschlafen hast.“
„Sprich, sprich! Aber in den Nächten, wie wird es in den Nächten sein? Hast du daran gedacht?“ In Susannas Augen kam ein fremder Glanz und ihre Wangen wurden fahler und fahler.
„Ja, auch daran habe ich natürlich gedacht, Susanna. Laß uns das nicht sagen, die Nächte werden kommen. Es wird sehr stille sein in unserem Hause und im Garten wird ein Vogel singen und du und ich und ich und du und niemand sonst wird da sein.“