„Ja, wie oft, du Geliebter, habe ich daran gedacht, wie die Nächte sein werden! Hast du schon an Leidenschaft gedacht und die Küsse in stiller Nacht?“ flüsterte sie und die Tränen liefen über ihre Wangen.
„Ja, Susanna, meine süße Freundin. Oft habe ich an Leidenschaft gedacht und viele lange Nächte lag ich wach.“
„Wie ich, wie ich! Oft hat mein Blut getobt in den Adern und ich habe geträumt und geträumt — keine verrät es, aber alle, alle graben sie die Nägel in die Brust —.“
Grau blickte Susanna an und hielt sie in den Armen. Ihr Kopf lag an seiner Brust. Und er erzählte wie es sein werde. Plötzlich wurde es dunkel im Zimmer, der Wind pfiff und es donnerte in der Ferne. Es regnete, dann kieselte und schneite es. Im Nu waren die Felder weiß und das Gärtchen eingeschneit. Aber Susanna sah und hörte nichts, sie lauschte und Grau gab ihren Blick nicht mehr frei.
„— die Hände werde ich dir küssen, die werden so kühl und frisch wie der Morgen sein. Ich werde dir die Lippen küssen, die noch heiß vom Schlafe sind, die Rosen auf deinen Wangen werde ich küssen, die noch aus den Träumen darauf blühen. Susanna, Susanna! Ja, du hörst wohl, was ich sage? So wird es sein. Dann werde ich die Türe öffnen und sagen, siehe, Susanna, die Sonne will dich begrüßen. Und ich werde dich in den Garten führen: Siehe, Susanna, die Blumen wollen ihre Herrin grüßen. Alle Blumen werden sich verneigen und die Bäume werden rauschen. Ich aber werde nur dich ansehen, so wie ich es jetzt tue, Susanna, Susanna, nur dich! Ich werde deinen Namen nennen auch wenn du nicht bei mir bist. Vielleicht hast du einen kleinen Hund, den du liebst, und mit ihm werde ich mich unterhalten, solange du fort bist.“
Grau küßte Susannas Stirn.
„Ich liebe dich, werde ich sagen,“ fuhr er fort, „so wie ich es jetzt sage. Susanna, Susanna! Die Sonne wird aufgehen und ich werde es sagen, die Sonne wird sinken und ich werde es sagen. Der Frühling wird kommen — ich liebe dich, Susanna — der Sommer wird kommen ich liebe dich, Susanna — der Herbst, der Winter wird kommen: Ich liebe dich Susanna!“
Susanna seufzte glücklich und lächelte und schloß halb die Augen.
„Ich werde niederknien und sagen, ich liebe dich Susanna!“ flüsterte Grau. „Ich werde dich ansehen, mein Blick, mein Schritt, alles wird dir dasselbe sagen. Ich werde alt werden und meine Haare werden weiß werden — ich liebe dich Susanna, werde ich sagen — ich liebe dich, du Süßeste von allen —“
Susannas Lächeln erstarrte. Sie öffnete den Mund und ihr Kopf sank in den Nacken zurück. Sie regte sich nicht mehr. Grau blieb lange ruhig, dann ließ er Susanna langsam in die Kissen nieder. Sie lag und lächelte friedlich und schön. Sie schlief. Die Tränen trockneten auf ihren fahlen Wangen.