Adele lachte und sah Grau erstaunt an. „Mit einer Maus leben Sie?“ sagte sie.
„Es ist ja wohl nichts Wunderliches dabei?“ fragte er lächelnd.
Adele lächelte leicht. „Sie haben ja auch einen Hund, nicht wahr?“ forschte sie. „Man sieht zuweilen einen gelben zottigen Hund in Ihrem Garten.“
„Ja,“ erwiderte Grau, „aber er ist sehr untreu. Er läßt sich oft wochenlang nicht blicken. Es ist ein verwilderter Hund, dessen Herr gestorben ist, ein Waldhüter. Ich stelle ihm manchmal etwas Fressen hin. Wollen Sie sehen, wie klug diese Maus ist?“
„Ja!“
„Nun, sofort!“ Grau legte ein Stückchen Speck auf den Boden in die Nähe des Schrankes, unter dem die Maus sich aufhielt. Er stieß einen zirpenden Laut aus. „Vielleicht kommt sie nicht, weil Sie da sind.“
Die Maus hatte das Stückchen Speck bemerkt, sie streckte die spitzige Schnauze unter dem Schranke vor und lugte mit den runden, glänzenden Augen, die wie pechschwarze Perlen aussahen, auf den Speck und auf Adele zu gleicher Zeit. Dann kam sie näher, lief in einem Bogen um den Speck herum und huschte wieder unter den Schrank. Sie mußte sich blitzschnell umdrehen können, denn die spitzige Schnauze wurde zur selben Sekunde wieder sichtbar als der Schwanz verschwand.
„Sie hat einen Versuch gemacht,“ sagte Grau, „ob sie sicher sein könne. Nun aber werden Sie sehen, auf welche Weise sie den Speck fortschleppt!“ Er war plötzlich gesprächig geworden.
Die Maus kam wieder unter dem Schranke vor. Sie saß eine Weile vor dem Speck, dann beschrieb sie einen Bogen und saß nun so, daß der Speck zwischen ihr und dem Schranke lag. Sie wartete noch ein Weilchen, dann lief sie blitzschnell auf den Speck zu und verschwand mit ihm.
„Es wäre ihr zu gefährlich, mit dem Speck im Maule umzuwenden, haben Sie das beobachtet?“ erklärte Grau. „So klug ist sie.“ Er erzählte noch einige Geschichten von der Maus, dann war er wieder still.