Grau kämpfte mit dem Gedanken aufzustehen und zu sprechen: —! Aber er tat es nicht.
Plötzlich hatte Adele einen Brief in der Hand.
„Ich habe einen Brief für Sie,“ sagte sie leise, „er ist von Susanna.“
„Von Susanna?“ Er begriff es nicht. Er starrte Adele an.
„Ja, sie hat mir diesen Brief übergeben — wann war es doch? — in der Zeit, da sie still lag um Kräfte für die Reise zu sammeln. Da gab sie mir diesen Brief. Ich solle ihn eine Woche nach ihrem Tode abgeben — im Falle sie doch sterben sollte. Ich habe nun gewartet und gewartet, denn es schien mir grausam Sie durch den Brief — nun ich wartete. Aber nun hat mich Susanna sozusagen daran erinnert.“
Grau nahm das Messer vom Schreibtisch und schnitt den Brief auf. Er hielt inne und sagte nach einer Weile: „Sie hat Sie sozusagen daran erinnert?“
Ja, sie habe geträumt von Susanna und dem Briefe.
„Ich habe ja jeden Tag an den Brief gedacht und an Susanna und schob es doch von Tag zu Tag hinaus ihn abzugeben,“ sagte Adele. „Es ist also nicht zu verwundern, daß ich davon träumte. Ich habe geträumt, ich ginge mit Susanna zum Bade. Wir unterhielten uns und plötzlich sagte sie etwas von einem Briefe und ich lachte, denn ich wußte ja nichts von einem Briefe. Aber am Morgen erinnerte ich mich an den Traum und nahm mir vor, den Brief aus dem Hause zu schaffen.“
Grau sah Adele an.
Und Adele zuckte ein wenig die Achseln und fügte hinzu: „Ich wollte Ruhe haben. Ich liebe es nicht, an Verstorbene zu denken. Ich weiß nicht warum.“