„Es ist vielleicht besser, wenn ich nichts sage. Ich habe kein Recht dazu.“
„Aber ich bitte Sie darum, Herr Grau.“
Grau schüttelte den Kopf. „Ich habe kein Recht dazu, Fräulein von Hennenbach. Aber ich kann eines eigentümlichen Gefühls nicht Herr werden — ich fühle das, fühle das so unsagbar stark — daß in Ihrem Verhältnisse zu dem Baron etwas nicht in Ordnung ist. Verzeihen Sie mir, bitte. Vielleicht ist Ihre Neigung —“
„Ich liebe ihn sehr!“
„Aber vielleicht lieben Sie ihn nicht genug, um seine Frau zu werden?“
Adele blickte auf den weißen Stamm einer kleinen Birke, der im Mondlicht leuchtete, und sagte: „Ich liebe ihn, ja. Oft denke ich, ich liebe ihn nicht genug, aber je mehr ich ihn kennen lerne, desto mehr liebe ich ihn. Ganz abgesehen davon, zumeist sind sogenannte Vernunftehen glücklicher als Liebesheiraten — ich sage ja nicht, daß ich den Baron nicht liebe, aber —“
„Trotzdem erscheint es mir besser, an einer Liebesheirat zugrunde zu gehen als in einer Vernunftehe zufrieden zu werden,“ entgegnete Grau.
Adele lachte leise. „Sie sind ein Träumer!“ sagte sie. „Man nimmt die Ehe ja gar nicht so wichtig in meinen Kreisen.“
„Nicht?“ fragte Grau verwundert, beinahe erschrocken.
„O nein,“ sagte Adele und fröstelte, während ihre Lippen lächelten.