Und wieder wartete er und ließ sich von seinem Glücke dahintragen. Es schaukelte ihn wie ein warmes, funkelndes Meer.

Er lauschte erstaunt: In seinem linken Ohre sang jemand ein Lied!

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Nahm es denn kein Ende, dieser Reichtum, dieses Glück? Zuweilen fuhr es über ihn dahin wie ein heißer, erstickender Sturmwind, zuweilen sang es ihm leise und fein wie eines Vogels Stimme, zuweilen lag es vor ihm ruhig und unendlich wie ein goldenes sanftes Meer.

Unaufhörlich spielten die Gedanken in seinem Kopfe, seine Augen waren schärfer geworden, seine Ohren feiner, sein Gefühl lebendiger. Er fühlte wie das Zittergras zitterte, er fühlte es, wie all diese kleinen wunderschönen Herzen des Zittergrases bebten, er fühlte wie der Zweig eines Baumes schwankte. Es war so schön in dieser Welt zu leben, wo alle Dinge so schön und sinnreich waren, selbst die unscheinbarsten. Da hast du die Blumen, ganz schlichte unscheinbare Blumen, sie haben die Farben der Sonne aufgesaugt und strahlen sie zurück, sie sind aber nicht nur schön, sie stehen nicht umsonst da, sie sind notwendig für die Quellen und die Luft; da hast du die Biene, sie geht nach Honig aus, aber sie ist nicht umsonst da, sie befruchtet die Blumen. Da hast du —. Alles, alles verschlingt sich, verwebt sich, jedes kleinste Ding hat Beziehung zu dem Ganzen, geheimnisvollen Zweck, es wirkt und dient, auch der Mensch, nichts anderes als ein Faden in dem rätselhaften Gespinst der Welt ist er. Er mag ein Unternehmer sein, der eine Eisenbahn baut, ein Erfinder, ein Künstler, ein Denker, einerlei — er arbeitet für Geld und Ruhm, ja, und doch dient und wirkt er, ob er will oder nicht, der Unternehmer, der die Bahn baut, dient der Verbrüderung der Menschen, der Erfinder spart ihnen Zeit, der Künstler verfeinert Sinne und Geschmack, der Denker vertieft ihren Sinn — alle, alle arbeiten sie für den kommenden Menschen, der die Sehnsucht und der Traum der Erde ist. Ein Faden im Gespinste der Welt ist der Mensch, verwebt mit dem was lebt und tot scheint, verwandt mit dem Grase und der Eiche, dem Pferde, der Luft und den Sternen.

„Weiter, weiter! Gehen und wandern!“

Der Wald war plötzlich zu Ende und Grau trat in die blendende Sonne. Er prallte zurück. Was war das, was mitten im Tale stand in der flimmernden Sonne? Ja, das war er, er, der Mensch, das Phantom Mensch! Seine Füße standen im Tal und sein Haupt reichte bis in den blauen Äther hinein. Sein Leib leuchtete in der dampfenden Sonne, seine Augen strahlten wie Sterne.

Die Erscheinung zerrann im Augenblick wieder. Grau schloß die Augen, eine ungeheure Erschöpfung lähmte seine Glieder. Er setzte sich in das Gras und lächelte. Wie herrlich war es doch gewesen? Wie wunderbar das Leuchten dieser erhabenen Augen, nie mehr würde er es vergessen! Ja, das war er, dachte Grau, der Mensch, das Phantom! Der Mensch mit seinen Gebräuchen und Sitten, seinen Städten, seinen Kathedralen und Tempeln, seinen Statuen und Gemälden, seinen Symphonien, seinen Geweben und Maschinen, seinen Wünschen, seiner Sehnsucht, seinen Religionen, seinen Hoffnungen, seinem Schmerz, seinem Wahnsinn, seiner Liebe und seinem Haß, stärker als der Elefant, schneller als der Vogel, mit köstlichern Gesängen als des Vogels Lieder sind.

Hast du dem Menschen schon ins Auge geblickt, wie es glänzt und dunkelt und blitzt unter der Wimper, die sich hebt und senkt, hast du schon gesehen wie sich seine Lippe schwingt? Ja, auch schön ist der Mensch.

Ich und du, wir sind ja nur zwei Halme am Rain, ein Volk wie ein Baum, der seine Zeit hat, aber der Mensch ist ein Phantom, das unvergänglich ist und wächst und wächst! —