Wieder, da war die Nacht süß und träumerisch und Graus Herz war still und lächelnd und voller Liebe.
„Den Kindern Rosen auf die Wangen, wenn sie schlafen,“ dachte er, „und sonnige Wiesen, wenn sie wachen, den Geknechteten gütige Anwälte unter den Mächtigen der Erde, dem Verzweifelten einen Freund!“
„Ich möchte der Traum sein und des Nachts vor den geängstigten Menschen tanzen und spielen, ich möchte ein Vogel sein und mich auf die Gitterstäbe des Gefängnisses setzen und meine schönen Farben zeigen.“
„Ich möchte ja, daß das Korn selbst auf den Dächern der Häuser wachse und die Tannen Wein und Früchte tragen, damit es keinen Hungernden mehr gäbe.“
„Dann möchte ich Ströme von Freundschaft aussenden in die Lande, damit der Hader und Zank endigte.“
„Dann möchte ich Blitze von Sehnsucht aussenden, damit sich alle Herzen entzündeten zu friedevollem Wettkampfe. Das möchte ich!“
Und Grau, der im Grase lag und ein heiteres Herz hatte, winkte leise mit der Hand und sagte: „Allen, allen Menschen einen Gruß! Dir und dir! Dem Mißmutigen einen Gruß, von jeder Glocke, jeder Geige, jeder Flöte will ich ihm einen Ton schenken, von jedem Vogel ein Federchen, das er entbehren kann, von jeder Blume ein bißchen Duft: Damit er fröhlich werde! Dem Fröhlichen einen Gruß und dir, du schönes Mädchen, das jetzt lacht, einen Gruß, und dir, dem Schwarzen einen Gruß, der jetzt im heißen Schiffsbauche arbeitet und glüht im Feuerschein! Allen, allen einen Gruß!“
Die schönste Nacht aber war die letzte Nacht, da Grau wartete.
Er war betroffen, als er auf der Höhe ankam und sich umblickte. Das glänzte! Der Fluß, die Stadt, die Ebene, die Höhenzüge, alles glänzte!
Grau war betroffen und sein Herz stand still. Da stand er und staunte. Das war ja sein Glanz, des großen Gottes Glanz, der auf Feldern und Wäldern und Dächern und Graus Hand lag! Niemals hatte er diesen Glanz vorher gesehen. Das Firmament, war es nicht wie ein gleißendes Antlitz, das sich über die Erde beugte?