Die ganze Nacht saß er so und als der Morgen kam, saß er immer noch auf dem Stuhl und sein Gesicht staunte.

Fünfzehntes Kapitel

Grau stand auf. Es ziemt einem Manne dem Schicksal ins Antlitz zu blicken ohne zu zittern, sagte er. Aber seine Knie bebten, ihm schwindelte. Nun erst fühlte er, daß seine Stirne glühte. Er hatte Fieber. Er legte sich auf das Sofa und blickte zur Decke empor. Er staunte. Sein Gesicht war erstarrt in einem großen, schrecklichen Staunen.

Die Schwestern Sinding stiegen die Stufen herauf und plauderten von Adele. „Wie ruhig und gefaßt sie Abschied nahm!“ sagte Marie Sinding, die ein wenig mit der Zunge anstieß.

„Ja, so merkwürdig ruhig. Sie lachte und plauderte bis der Zug fuhr. Sie beherrscht sich so. Wir sind nicht so — haha!“

„Nein, nein!“ Die Schwestern lachten.

Plötzlich sagte eine tiefe Männerstimme: „Was wird der Tennisklub als Hochzeitsgeschenk geben?“

Grau lag still. Er regte sich nicht. Er hörte wohl, was die Mädchen sagten, er lächelte nicht, er weinte nicht, er staunte. Gegen Abend schleppte er sich an den Schreibtisch und schrieb so gut es ging einen Brief an einen Gärtner, bei dem er einige Tage zubringen wollte. Dann versank er wieder in ein leichtes, fast angenehmes Fieber. Er lag einige Tage auf dem Sofa, er fieberte, schlief, aber selbst im Schlafe wich der Ausdruck des Staunens nicht aus seinem Gesichte.

Die Antwort des Gärtners traf ein. Grau packte langsam, mit Anwendung all der Klarheit, die ihm das Fieber noch ließ, seine Sachen, auch den roten gestickten Reisesack mit der zornig aussehenden Henne. Er füllte nochmals den Teller für seinen Kostgänger, den gelben, zottigen Hund und legte alle Speisereste unter den Schrank für die Maus. „Eine Maus findet ja immer etwas,“ murmelte er vor sich hin und wiegte langsam den Kopf hin und her, „sie ist auch klein und ißt nicht viel.“

Es ist Zeit, Zeit! flüsterte eine Stimme in ihm. Er antwortete: „Ja!“ und ging.