Grau lag und fieberte. Er hatte nur wenig klare Tage. Dann schrieb er, aber er zerriß alles wieder, endlich schrieb er drei Briefe, zwei lange und einen kurzen.

„Hier,“ sagte er, „Eisenhut, nimm sie. Ich werde dir alles erklären. In diesem Brief befindet sich ein Schreiben an das Gericht. Du öffnest ihn in einem Jahre, wenn nicht Ereignisse eingetreten sind, höre wohl zu, Ereignisse, von denen in dem Briefe an dich die Rede ist. Vergiß nichts. Es ist eine alte Angelegenheit, die ich in die Hand nahm, als ich hier in der Stadt eintraf. Ich möchte sie zu Ende bringen.“

Grau lag im Fieber und er winkte Eisenhut heran und flüsterte: „Die Pioniere, siehst du, man muß sie loben. Sie sind immer da, wo die Menschheit noch nicht ist. Man verfolgt sie, haßt sie, sie sind entsetzlich dran, aber sie sind immer, immer am Werke. Sie sind Säemänner, Eisenhut, auch ich, auch ich, wollte solch ein Säemann werden. Im kleinen natürlich, im kleinen nur —“

„Still, still!“ sagte Eisenhut und legte ihm Eis auf die Stirn.

Grau schloß sofort die Augen. „Mein Bruder!“ flüsterte er und drückte Eisenhuts Hand. Als Grau schon sehr schwach war, richtete er sich eines Tages plötzlich auf und sagte erschrocken: „Eisenhut, deine Mutter?“ Er schwieg lange, dann fügte er hinzu: „Da ging ich ein und aus in diesem Hause und dachte nicht an sie. Stricken, Nähen, Gartenarbeit. Ihr geschwächter Geist, man kann ihn stärken — Gott verzeihe mir! — Versprich es mir, Eisenhut!“ Er umklammerte Eisenhuts Hand und sank lächelnd ins Kissen zurück, als Eisenhut ihm das Wort gegeben hatte.

Dann kam die Zeit, da Grau still lag und immerfort leise flüsterte und lachte. Er lebte mit einer schönen Frau mit hellen Augen und schwarzen Haaren am Meer. Er ging im heißen Sande und sammelte Muscheln. Er blickte ins Haus hinein, bald in dieses Fenster, bald in jenes: Sie war da! Er lachte und trommelte an die Fenster. Er schrieb ihren Namen riesengroß in den Sand.

Einmal ging er hinein in einen Wald. Es war Sommer. Die Sonne glühte in den grünen Wipfeln. Da ging er dahin und sang. Plötzlich wurde es totenstill im Walde, die Hitze wurde unerträglich und langsam fiel Blatt um Blatt, mit einem singenden, seufzenden Laut. Die Blätter fielen dichter und dichter, sie schrumpften zusammen, knisterten, wie versengt von der großen Hitze, fielen, fielen, regneten auf ihn herab, die Äste starrten kahl und immer mehr Blätter regneten und drohten ihn zu ersticken —

— Da erwachte er mit einem Schrei und fuhr auf. Sein Mund war voller Blut.

Tagelang lag er nun geschwächt und atmete nur leise.

Eisenhut kam ans Bett. „Worüber staunst du doch nur?“ fragte er. „Du staunst immer!“