Grau lag und staunte.
Dann kamen die Tage, da Grau schwer atmete und Mütterchen ihm immerfort die Stirne trocknen mußte.
Das war der Glutwind! Er trug ihn dahin und viele, viele trug er dahin. Es ging durch die kahlen Äste eines endlosen, verdorrten Waldes. Die Seelen jammerten. Wir kleinen schäbigen Seelen, Erbarmen! jammerten sie. Es fegte, Tag und Nacht, immerzu und endlich hoch über den Wipfeln des verdorrten Waldes, in balsamischer Luft. Tief unten jammerten die Seelen. Wir sind zu schwer, Erbarmen. Aber er flog und sauste und viele sausten mit ihm. Es wurde glühend heiß — er erwachte.
Sein Kopf war ganz klar. Er war durstig und seine Lippen brannten. Aber es war Nacht und er wollte Mütterchen nicht wecken. Er kühlte die Hände am Fenster und kühlte dann die Lippen.
Sofort versank er wieder. Er wanderte. Eine Felsenecke, wieder, wieder, eine endlose, schreckliche Wanderung. Ein Tor, eine Schlucht, ein furchtbarer Weg. Er kam in einen großen Felsenhof und hier waren viele Millionen Seelen und warteten. Wir sind die armen Seelen! beteten sie. Er wanderte und wanderte durch das Heer von Seelen hindurch und kam auf eine Heide. Hier ließ es sich gut ausschreiten.
Aber plötzlich warf ihn eine Stimme zu Boden.
„Mit Versprechungen hast du die Menschen getröstet und von Hoffnungen hast du gelebt!“ sprach die Stimme, die furchtbar klang.
„Ich wollte beginnen! Vergib mir armen kleinen Seele!“
„Wie das Schwirren von Pfeilen und ein Schall von Hörnern hätte deine Rede sein sollen, deine Zunge war Stroh! Ich habe Antrieb und Neigung in dich gelegt, ich habe über deine Seele Ahnungen geschleudert wie Hagelschauer über das Feld, ich habe gefunkelt in dir wie der Mond am schwarzen Himmel funkelt, ich stand am Wege als kleine Blume, aber du hast mich nicht gesehen! Ich kam zu dir und fand dich schlafend, ich habe meinen Gedanken auf dich geworfen wie einen Felsblock, aber du bist nicht aufgewacht. Auf deiner Zunge saß ich als süßes Lied, warum hast du nicht gesungen? Zehnmal in deinem Leben ging mein großer Verkünder an dir vorüber, du sahst ihn an, aber du hast ihn nicht erkannt?“
„Ich habe dich als Feuer entsandt und du bist als Asche wiedergekommen!“