Graus Hände zitterten: Nein, nein, er hatte nicht die rechten Worte gefunden, er hatte es nicht vermocht!

Er warf einen Blick in die kleine alte Kirche, wo er eine blitzblanke kleine Orgel entdeckte und an einem Fenster die Reste einer ehemaligen Bemalung. Ein herrliches Fleckchen Blau, ein Streifen von einem seltenen Weinrot. Dann ging er durch den gedeckten Gang und hinüber ins Pfarrhaus. Während er sich umkleidete, sah er sich in der neuen Wohnung um. Das Pfarrhaus war ebenfalls alt, klein, mit Winkeln und Erkern, Holzvertäfelungen und einer kleinen Wendeltreppe. Im Vorraum hing ein altes pechschwarzes Ölgemälde. An der Türe war eine große Glocke angebracht und zwar war sie so aufgehängt, daß sie gleichsam zu schwingen anfing, wenn man sie nur ansah.

Vorläufig war es für Grau noch ein Rätsel, was er mit all den Zimmern anfangen sollte.

Er öffnete eines der kleinen Fenster. Sonne, Stille, Weite! Unter ihm lag die Stadt und die weite Talebene. So unregelmäßig und klippig wie sich das Treibeis staut, so unregelmäßig und klippig drängten sich all diese hundert steilen Giebel und Dächer ineinander. Da und dort klafften Risse und Spalten, das waren die Gassen und kleinen Plätze. Über diese beschneiten Giebel war eine Unmasse von Türmchen und Dachreitern geschüttet. Aus den unzähligen Kaminen stiegen dünne opalisierende Rauchsäulen in die klare Winterluft. Hunderte von Fenstern und Scheiben blitzten und blendeten und farbige Fünkchen tanzten auf den Schneedächern.

Rings um die weiße Stadt war alles weiß. Auch der Fluß, der die Stadt die Höhe hinaufdrängte, war weiß, er war gefroren. Eine Menge von Kähnen, Barken, Fähren und Frachtschiffen mit Masten und Stangen lag fest im Eise und auf den Schiffen kletterten kleine Pünktchen herum, Kinder, die spielten.

Eine weiße Brücke spannte sich über den weißen Fluß. Dann begann die Ebene, weit und weiß dehnte sie sich, bis zu den Höhenzügen, ferne Wälder, kriechendem Moose ähnlich, waren über sie ausgestreut.

Ein feines Klingen schwang in der winterlichen Stille, es klang aus einer Schmiede. Die Pünktchen, die auf den Schiffen klettern, erwiderten es schrill.

Zwei Fenster gingen auf den Garten hinaus. Der Garten war klein, nahezu dreieckig und in zwei Terrassen angelegt. Er war angefüllt mit unberührtem, wie Seide schimmerndem Schnee, und in den Ecken lagen Büsche, Gestrüpp, Stickereien aus Schneekristallen und mit Schichten von Schnee bedeckt, die eigentümlichen Blütentellern ähnlich sahen. Gegen die Straße zu, die Höhe, war der Garten mit einem grünen Zaun abgegrenzt, auf den andern Seiten stieß er gegen Gärten. Da war ein Park, ein wahrer Wald alter, hoher Bäume, die tief im Schnee wateten; er konnte weit in ihn hinein sehen, denn die Mauer war niedrig. Zwischen den Stämmen der alten Bäume schimmerte ein langes weißes Gebäude, ein Herrschaftshaus. Die Mauer des andern anstoßenden Gartens war übermäßig hoch und sah düster aus wie eine Gefängnismauer. Über sie hinweg blickten die zwei trüben Fenster eines grauen alten Hauses, wie zwei düstere traurige Augen unter einer niedern vergrämten Stirn. Die übermäßig hohe Mauer aber bot einen ganz merkwürdigen Anblick dar. Sie war mit Glassplittern und Eisenspitzen gespickt und trug eine große Tafel, die man leicht von der Straße aus lesen konnte, mit der Aufschrift: Vor den Hunden wird gewarnt! Achtung, Selbstschüsse! Vorsicht! Fußangeln!

Grau lächelte. „Eigentümlich!“ sagte er.

Dann nahm er rasch den Hut und verließ das Haus, immer noch zitterten leise seine Hände. Wie töricht!