Der dicke Händler ließ wiederum den hohen gurrenden Laut hören, ähnlich einer Turteltaube, und sein Bauch begann zu zittern. Er zog ein gelbes Taschentuch heraus, eine Art Fahne, die für einige Zeit durchs ganze Coupé flatterte und einen Staubregen von Schnupftabak, Brotkrumen und andern Dingen ausstreute; dahinter verbarg er sich.
Aber, was der Lehrer doch daher schwätze! Der neue Vikar sei ja angekommen — he! — hier, Kaiser habe es erzählt!
„Ja, ich habe ihn gesehen!“ sagte der Adjunkt und wischte sich etwas unsicher den langen messinggelben Schnurrbart. „Auf Ehre! Er sieht wie ein Offizier in Zivil aus, schwarzer Schnurrbart, Zylinder. Im übrigen hat mir die Frau Dekan erzählt, daß es der neue Vikar ist. Aber ich bitte Sie, meine Herrn — das ändert an der Sache ja nichts. Der Dekan ist sein Vorgesetzter und er hat zu gehorchen, fertig!“
„Also, trotzdem ein Verweser da ist, trotz alledem, das ist ja — das ist ja —“ sagte ratlos der Schuhmachermeister.
Der Lehrer lachte. „Alterieren Sie sich nicht, mein Freund!“ sagte er. „Ich gebe Ihnen die Versicherung, daß es dem Dienstmädchen ganz gleichgültig ist, ob man sie einsegnet oder nicht, ob man sie beerdigen wird wie einen eingesessenen, ehrenhaften Bürger oder nicht.“
„Wie? Wie?“
„Sie hat, was sie will. Sie ist tot. Basta! Und gesetzt den Fall, daß es einen Himmel gibt — was ich für meine Person nicht glaube — so ist es einerlei, ob sie erster, zweiter oder dritter Klasse beerdigt wird. Sie kommt hinein, ob ihr der Herr Dekan von Weinberg einen Empfehlungsbrief mitgibt oder nicht. Oder? Deshalb sage ich, ich würde sie auch nicht kirchlich beerdigen — ganz wie der Magistratsrat Herr Ulrich — ebenfalls nicht, nein!“
„Wie? Wie?“
„Nein, denn es ist ja absolut einerlei, absolut einerlei. Ich für meine Person verzichte freiwillig auf jede Einsegnung, ja, ich verbiete diesen Pfarrern, Vikaren und geistlichen Räten, sich überhaupt einzumischen. Ich will nicht einmal etwas zu tun haben mit dieser Gesellschaft!“
„Wie? Wie? Ja, da hört sich denn doch —“