Ein unbeschreibliches Getöse entstand. Einige sprangen auf, und der Kopf der Dame tauchte wieder hinter der Scheidewand empor und drehte sich empört hin und her. Der Händler schaukelte vor Vergnügen hin und her und der Schuhmachermeister saß wie niedergeschmettert da und starrte mit großen, leeren Augen auf den Lehrer.

Der Lehrer antwortete mit einem dröhnenden Gelächter.

Aber hier nahm die Sache plötzlich eine Wendung.

Zweites Kapitel

Der Messerschmied Ulrich nämlich stand auf. Er stand auf und trat auf den Lehrer zu. Sein Kinn und sein grauer Bart, der lang und schmal war und Ähnlichkeit hatte mit einem Zopfe, fingen an zu zittern, noch ehe er zu sprechen begann.

„Herr!“ sagte er dann. „Herr!“ sagte er dann. „Herr! Ich sage, Sie haben — Herr! — Sie gehörten früher einem Stande an, einem gebildeten Stande — ich hätte so etwas nicht für möglich gehalten! Nein! Sie haben sich — erfrecht — jawohl, erfrecht, die mir teuern Toten auf dem Gottesacker zu bespei — bespeien, jawohl! — Aber nicht genug damit — Sie haben sich erfrecht, die Religion und ihre Priester zu verhöhnen. Das ist mir zuviel!“ Der Lehrer lächelte gutmütig, und der Messerschmied schöpfte tief Atem, wurde blaß und wiederholte einigemal keuchend: „Das ist mir zuviel!“ Und sein Bart zitterte.

Der Lehrer winkte nachlässig mit der Hand und sagte mit ruhigem Lächeln und gutmütigen Augen hinter den Brillengläsern: „Beruhigen Sie sich doch, Verehrtester! Sie können sich in Ihrer Gesundheit schädigen.“

Jedoch der Messerschmied Ulrich gehörte dem Stadtrat an und war überhaupt ein Mann, der keinen Spaß verstand.

„Wie?“ schrie er pfeifend. „Wissen Sie auch, mit wem — mit wem — Sie sprechen? Und erinnern Sie sich vielleicht, was Sie, wer Sie eigentlich sind?“

Der Lehrer lächelte und sein gleichsam von einem braunen Firnis überzogenes Gesicht nahm einen gütigen, väterlichen Ausdruck an. Seine Augen waren von verschiedener Größe, das größere betrachtete erstaunt den Messerschmied, das kleinere lachte ihn lustig an.