„Fragen Sie mich, junger Mann?“ sagte er endlich.

„Junger —!“

„Ich sage vergleichsweise: junger Mann,“ fuhr der Lehrer fort, „denn Sie sind ja mir gegenüber noch sehr jung, eine Art Säugling, möchte ich sagen, ja, noch ungeboren — in der Tat! Ich meine, ob Sie mich fragen?“

„Ob ich Sie frage?“ antwortete der Messerschmied und seine Stimme zitterte, als ob ihn jemand unausgesetzt auf den Rücken klopfe. „Ja, gewiß, ich frage Sie! Ich möchte das zu gerne wissen!“

Der Lehrer kämmte mit der Hand den langen, knisternden, schwarzen Bart und schüttelte den Kopf. „Wenn Sie mich nun fragen — und Sie fragen mich doch, nicht wahr? — so kann ich Ihnen wohl antworten, aber es tut mir leid für Sie, denn ich sage keine Schmeichelei: Sie sind eine Art Scherenschleifer und ich bin ein Edelmann!“

Es wurde ganz still und man hörte die Räder auf den Schienen stampfen. Der jüdische Händler gluckste leise.

Der Messerschmied tat zuerst gar nichts. Es schien, als ob er nichts gehört habe. Dann schüttelte er die Schultern, als sei ihm der Rock unbequem, er schnitt eine Grimasse, zischelte und plötzlich verbeugte er sich tief vor dem Lehrer. Er lachte meckernd und sagte mit wütender, zitternder Stimme:

„Gut! Sie mögen im Recht sein, Herr Edelmann — mein Herr Edelmann. Sie mögen zehnmal im Recht sein — aber, wenn Sie ein Edelmann sind — was hier von all diesen Herren niemand bezweifelt — ach, nein, nein, niemand bezweifelt es — ach, du gütiger Himmel, nein, nein! — so werden Sie gefälligst, Herr Edelmann, zuvor Ihre Schulden bezahlen. Nicht wahr, Sie werden zuvor Ihre Schulden bezahlen, mein Herr Edelmann. Sie erinnern sich vielleicht, daß Sie mir seit sechs Jahren — seit sechs Jahren! — neun Mark und fünfzig Pfennig schuldig sind! Bitte! Ich weiß nicht, wo Ihr Schloß liegt oder Ihr Besitztum — also, bitte sehr, bitte!“

Gelächter. Er streckte die bebende Hand hin und musterte mit übertrieben spöttischer Miene den Lehrer vom Kopf bis zum Fuße. Der Lehrer war ohne Kragen, ein Tuch war um seinen braunen Hals geschlungen. Wie sein Gesicht, so war seine ganze Kleidung verwettert und verwildert, seine Schuhe klafften und man sah die nackten Füße, die Ärmel waren an vielen Stellen zerrissen und mit unordentlichen Stichen zusammengenäht.

Der Lehrer blickte mitleidig lächelnd auf die bebende Hand des Messerschmieds und schüttelte den haarigen Kopf. „Ist das Ihr Ernst?“ fragte er voller Bedauern, im tiefsten Baß.