„Ja, was hat er denn Schreckliches getan?“ fragte Grau und blieb stehen.

Der junge Mann lachte meckernd. „Er hat,“ sagte er flüsternd und kicherte — „er hat sie durchgeprügelt! Die Polizeidiener zuerst und dann den Bürgermeister. Weil sie ihn entließen. Er war ja Lehrer hier in der Stadt.“

„Warum wurde er denn entlassen?“

„Oh, er machte Streiche. Er hat auch oft getrunken, mehr als er vertragen konnte. Einmal lag er am Morgen betrunken auf dem Marktplatze, gerade als die Sonne aufging. Ich muß lachen, wenn ich nur daran denke! Denn ich habe ihn liegen sehen, bevor noch jemand kam, und gewartet und gedacht: Was für ein Spaß wird das werden! Er lag so komisch da, er lag da, als ob er eben einen großen Sprung machen wollte, so lag er da. Ich dachte, das wird einen hübschen Spaß geben. Dann kamen die Leute, die Kinder kamen, die in die Schule gingen, Frauen, Männer, aber er lag da und schlief, er war nicht wach zu bekommen. Was ich gelacht habe!“

„Deshalb also wurde er entlassen?“

„Nein, nein. Damals unterrichtete er das Töchterchen des Bürgermeisters, deshalb wurde er nicht entlassen. Auch seine Frau, die lief zum Bürgermeister, flehte und winselte, und deshalb ließen sie es hingehen. Aber später. Er hatte so eigentümliche Einfälle und er machte Streiche über Streiche. Er sagte zu den Kindern: Heute ist keine Schule, es ist zu schönes Wetter, geht hinaus in den Wald. Das ist aber doch keine Schule, nicht wahr? Oder er hat ihnen keinen Unterricht gegeben, er hat ihnen tagelang Märchen erzählt. Aber das tollste, was er gemacht hat, sehen Sie, das hat ihm auch den Hals gebrochen. Ja, er ging also mit der Klasse spazieren, er hatte die Mädchenklasse, an einem sehr heißen Tag im Juni. Da kamen sie nun an einen Bach, es war sehr heiß, wie gesagt, und was meinen Sie nun, was er tat? Er sagte: Alle auskleiden! Nun, Sie können sich denken, das ging hui, hui, das kam den kleinen Mädchen gerade recht, sie kleideten sich aus und plätscherten alle dreißig im Bach herum. Er, Lenz, er saß dabei und lachte. Plötzlich aber kam der katholische Geistliche, der geistliche Rat — ein fetter — ein etwas korpulenter Herr — er kam — und so war es, der Lehrer mußte gehen. Aber hören Sie, er ging nicht, er ging nicht!“

„Er ging nicht?“

„Nein, er sagte es, er sagte es zu mir. Ich werde nicht gehen, sagte er, ich lasse es darauf ankommen. Ich werde morgen Schule halten und werde sie hinauswerfen, wenn sie kommen. Tue das, sagte ich, welch einen Spaß wird das geben, einen unbezahlbaren Spaß. Er sagte auch, daß der Bürgermeister sich ein wenig in acht nehmen solle, außerdem könne er Prügel fassen. Ja, tue es, tue es, sagte ich, das wird ganz unsagbar drollig werden. Du nimmst dich meiner Familie an, ja? Ja, sagte ich, du kannst ruhig sein. Und hören Sie, Herr, er tat es, er tat alles. Er hielt Schule und sie wollten ihn aus dem Schulhaus weisen, aber er prügelte die Polizeidiener durch, dann ging er ins Rathaus und prügelte den Bürgermeister durch — vor all den Schreibern —“

Der junge Mann lachte und hustete.

„Ich habe niemals mehr gelacht. Solch ein Mensch — er mußte dann sitzen, lange, lange Monate, er verlor seine Stellung, sein bißchen Vermögen, alles, alles — hähähä — nun treibt er sich in der Welt herum und seine Frau und seine Tochter sie sitzen hier. Wir wollen hoffen, daß der Herr ihn antreffen.“