„Ja, ich liebe es!“ antwortete der Mann mit dem Spitzbart und errötete ein wenig und blinzelte. „Er deklamiert oft die ganze Nacht bei mir, bis er zu lachen anfängt —“
„Zu lachen?“
„Ja, zuletzt lacht er stets fürchterlich, so daß Sie Angst bekommen — dann wird er gefährlich — hier sind wir!“ Er öffnete das Gartentürchen und ließ Grau eintreten. Man hörte keinen Laut hier außen, auch das Haus lag ohne jedes Zeichen von Leben. Eine ganz besondere Stille und Einsamkeit herrschte hier und auch der Wind, der leise um die Wände des Häuschens strich, schien ein besonderer Wind zu sein.
Der Mann mit dem gelben Gesicht klopfte an die Haustüre. Sie warteten und standen einander gegenüber.
Grau sah sich seinen Begleiter aufmerksam an. Eigentlich war das Gesicht nicht gelb, es spielte in allen Schattierungen von Gelb bis Grau, gegen die Schläfen zu ins Grünliche. Es war von tiefen Furchen durchzogen, die fächerartig von den Augenwinkeln ausgingen und sich hart um den Mund eingruben. Diese Furchen waren grau und es schien als sei Schmutz in ihnen. Der Bart am Kinn sprang vor wie ein Geißbart; seine Haare waren von unbestimmter Farbe, sie schienen feucht und klebend zu sein und waren grau an den Schläfen, obgleich der Mann die Dreißig kaum überschritten hatte. Seine Augen waren leicht entzündet, klein und neugierig bewegten sie sich in dem getrübten Weiß hin und her. Die Lider zwinkerten unaufhörlich.
Dieses Gesicht verriet keinen bestimmten Charakter; Schüchternheit, Keckheit, Demut und Hochmut, Habgier, Bosheit und Argwohn, alles konnte man in diesen Zügen finden; aber Grau entdeckte ein Paar schöngezeichneter Lippen, die sich zusammenzogen und gleichsam hinter dem dünnen Schnurrbart versteckten, der in feuchten, kurzen Büscheln über den Mund herabhing.
Ihre Blicke begegneten sich und plötzlich hörte der Mann mit dem Geißbart auf zu blinzeln; das Blut stieg ihm in die Wangen, als ob er tief erschrocken wäre, dann erbleichte er. Er griff hastig an den Hut und sagte mit kaum hörbarer Stimme: „Eisenhut!“
Grau reichte ihm die Hand. Eisenhuts Hand war feucht und schlaff.
Eisenhut begann wieder zu blinzeln. Er legte sein gelbes Gesicht in Falten zu einem Lächeln, so daß man seine schlechten braunen Zähne sah, und sagte: „Danke, danke, es ist mir sehr angenehm, Ihre Bekanntschaft zu machen.“
Er sprach hastig, ruckweise, und man hätte sagen können, auch seine Stimme blinzelte.