Die Türe öffnete sich lautlos, und ein schmächtiges Mädchen, eine Hornbrille auf der großen Nase, stand im Rahmen.

Dreizehntes Kapitel

„Guten Tag, Mütterchen!“ sagte Eisenhut zu dem schmächtigen Mädchen, das die Türe öffnete. Er deutete auf Grau und fügte geheimnisvoll hinzu: „Hier ist ein Herr vom Gericht, der etwas von Ihnen will!“

Mütterchen krümmte sich zusammen und lugte scheu durch die Brille, aber sie versuchte zu lächeln.

„Keineswegs!“ rief Grau aus und zog den Hut und trat näher. „Herr Eisenhut scherzt. Ich komme lediglich —“

Eisenhut lachte. „Nein,“ unterbrach er Grau, „haben Sie keine Angst, Mütterchen, es ist ein Herr, der Sie besuchen will, Herr Vikar Grau.“

Grau verbeugte sich und sagte, daß er so glücklich gewesen sei, Herrn Lenz kennen zu lernen, einen ausgezeichneten und interessanten Mann, Herr Lenz habe ihn zu einem Besuche aufgefordert.

Mütterchen öffnete den welken Mund, ging ein paar kleine Schritte rückwärts und verbeugte sich schüchtern und mädchenhaft. Sie war klein, schmal, hüftenlos wie ein Mädchen. Mit den pechschwarzen Haaren und der gebogenen Nase sah sie wie eine kleine zusammengeschrumpfte Jüdin aus. Sie starrte mit großen fragenden Augen, die wie bestaubter schwarzer Samt aussahen, zu Grau empor, dann schüttelte sie langsam den Kopf.

„Sie haben ihn gesehen?“ fragte sie leise und singend, und ihre Stimme zitterte. „Er ist nicht hier!“ Sie schüttelte traurig den Kopf, dann fügte sie ganz leise hinzu: „Er wird noch zu tun haben.“ Sie versuchte zu lächeln.

„Ja, er wird noch zu tun haben, auf ein Haar!“ rief Eisenhut boshaft aus und ging hinein ins Haus.