„Schulen?“
„Ja, Schulen, die ihn erziehen, die ihm die Augen öffnen, ihn auf ein höheres Niveau der Anschauung vom Leben, vom Menschen, der Gesellschaft stellen. Frische Luft, gute Nahrung, viele Bewegung, Spaziergänge in Wald und Feld. Die Arbeit kann ja hart sein, in Bergwerken, Steinbrüchen, das ist einerlei, aber sie darf nicht alle Zeit in Anspruch nehmen, kaum die Hälfte des Tages.“
Adele hatte noch eine Frage. Nämlich, wenn das alles nichts helfe und der Verbrecher rückfällig werde.
Wiederum Bergwerke, Steinbrüche, Schulen. Ja, wenn er wolle, könne er ja sein ganzes Leben in den Bergwerken arbeiten und täglich ein paar Stunden spazieren gehen.
Ob Herr Grau nicht glaube, daß dadurch die Ziffer der Verbrecher steige, bei dieser linden Behandlung?
Nein, nimmermehr glaube er dies! Das moralische und ethische Bewußtsein des Volkes würde gerade dadurch gehoben werden.
Hm. Ja, aber es gäbe Verbrecher, eigenartig angelegte Menschen, die nicht eine Spur von einer moralischen oder ethischen Anlage in sich hätten, es seien oft die schrecklichsten —
„Ein Landhaus für sie in einsamer Gegend, ein Stück Gartenland.“
„Ein Landhaus!“ Adele lachte unwillkürlich. Grau errötete. Er blickte sie an. „Nun, natürlich, eine Hütte,“ sagte er sanft, „da mögen sie hausen. Man kann sie nicht erziehen, man kann sie nicht bestrafen — aber sie sind aus dem Wege.“ Ja, die Gesellschaft müsse es sich schon einiges kosten lassen, wenn sie leben wolle, wie sie es wünsche.
Sie standen auf der Brücke. „Leben Sie wohl nun,“ sagte Adele. „Das Gespräch hat mich angeregt, ich danke Ihnen.“