Hobby leckte sich die Lippe ab und versuchte zu denken.

„Fort!“ flüsterte er dann wieder mit heiserer Stimme, immer noch betäubt.

Der Neger klammerte sich an ihn und wollte sich aufrichten, stürzte aber schreiend zu Boden. „Mein Fuß!“ heulte er. „Großer Gott im Himmel — was ist mit meinem Fuß —?!“

Hobby vermochte nicht zu denken. Ganz instinktiv tat er, was man tut, wenn ein Mensch niederfällt. Er versuchte den Neger aufzuheben. Aber sie stürzten beide zu Boden.

Hobby fiel mit dem Kinn gegen einen Balken, so heftig, daß sein Schädel krachte. Der Schmerz rüttelte ihn auf. In seiner Betäubung war es ihm, als habe er einen Schlag gegen den Kiefer erhalten, und er richtete sich, halb bewußtlos, zu einer verzweifelten Gegenwehr. Da aber — da aber ging etwas Merkwürdiges mit ihm vor. Er sah keinen Gegner, seine Hände hatten sich im Schutt geballt. Hobby wurde wach. Plötzlich wußte er, daß er im Stollen war und daß etwas Furchtbares geschehen sein mußte —! Er begann zu zittern, all seine Rückenmuskeln, die sich nie in seinem Leben so bewegt hatten, zuckten konvulsivisch wie die Muskeln eines erschrockenen Pferdes.

Hobby verstand.

„Katastrophe ...“ dachte er.

Er richtete sich halb auf und sah, daß die Bohrmaschine brannte. Zu seinem Erstaunen sah er Haufen nackter und halbnackter Menschen in den erschreckendsten Verrenkungen auf dem Schutt liegen und sie alle regten sich nicht. Er sah, daß sie überall lagen, neben ihm, rings umher. Sie lagen mit offenem Mund, lang hingestreckt mit zermalmten Köpfen, eingeklemmt zwischen Pfosten, aufgespießt, in Stücke zerfetzt. Überall lagen sie! Hobbys Haare flogen. Sie lagen verschüttet bis zum Kinn, zusammengerollt zu einem Knäuel, und soviele Steinblöcke, Balken, Pfosten und Karrentrümmer es hier gab, ebenso viele Köpfe, Rücken, Stiefel, Arme und Hände starrten aus dem Schutt. Mehr! Hobby schrumpfte ein vor Grauen, es schüttelte ihn, daß er sich festhalten mußte, um nicht hinzuschlagen. Jetzt verstand er auch die sonderbaren Laute, die nah und fern den halbdunklen Stollen füllten. Dieses Miauen, Greinen, Winseln, Schnauben und Brüllen wie von Tieren — diese unerhörten, nie gehörten Laute —: das waren Menschen! Seine Haut, sein Gesicht und seine Hände erstarrten wie vor Kälte, seine Füße waren gelähmt. In seiner nächsten Nähe saß ein Mensch, dem das Blut aus dem Mundwinkel lief wie aus einem Brunnen. Der Mensch atmete nicht mehr, aber er hielt die hohle Hand darunter und Hobby hörte das Blut plätschern und rieseln. Es war der kleine Japaner. Er erkannte ihn. Plötzlich sank seine Hand herab und sein Kopf neigte sich, bis er aufschlug.

„Fort, fort!“ flüsterte Hobby, vom Grauen geschüttelt. „Wir müssen fort von hier!“